Mein Lebensweg:

Alles nur “Zufälle“ oder
webt sich ein „roter Faden“ durch mein Leben?


Diese Frage stellen sich vermutlich viele Menschen irgendwann in ihrem Leben - meist ausgelöst durch äußere Reize. Bevor ich jedoch versuche, diese Frage für mich zu beantworten, möchte ich kurz den Anlass dieser Seite beschreiben.
 

   
 

Wie du vielleicht auf den anderen Seiten meines „Privat-Webs“ bereits lesen bzw. erkennen konntest, bin ich ein ganz normaler „praktizierender, evangelischer Christ“. Warum muss ich das betonen?

Wenn sich jemand in unserem Land traut, Glaubensthemen anzusprechen, entsteht beim Zuhörer ganz schnell die Frage im Hinterkopf: Welche Sekte steckt dahinter?

Warum ist das so? Weil die „normalen“ Christen oft versagt haben und den Sekten das Feld überlassen haben! Wer geht denn von Tür zu Tür, lädt zu religiösen Veranstaltungen ein und spricht offen über den persönlichen Glauben? Die Sekten. Ob man dieses "spezielle Missionieren" nun gut findet oder nicht, fest steht, sie engagieren sich und stehen auch in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben!

 

Überhaupt ist das Thema Glauben anscheinend mit eines der letzten Tabuthemen. Gehörte früher beispielsweise auch der Bereich „Sexualität“ dazu, so muss man mittlerweile in sämtlichen Medien vom Spiegel bis hin zur Zeitung mit den „4 großen Buchstaben“ oder in „Schmuddeltalkshows“ kaum denkbare Abartigkeiten aus der Intimsphäre heutiger Menschen zur Kenntnis nehmen. Man kann sich dem oft kaum entziehen.

 

Und wie ist es mit dem persönlichen Glauben?

Dazu ein Beispiel. Neulich hatten wir Besuch und beim Hausrundgang schaute die Besucherin neugierig, was ich da auf meinem gemütlichen Sessel so lese – und zuckte schlagartig zurück als sie merkte, dass es sich um meine tägliche Lektüre zur (christlichen) „Seelenpflege“ auf meinem „Stille Zeit“-Sessel handelte (Bibel und andere schöne religiöse Literatur).

 

Und um dieses Tabu im positiven Sinn zu brechen und um mich mit der Ausgangsfrage zu beschäftigen, habe ich daher das Medium Website gewählt, da die Beschäftigung mit dieser Frage mein Leben zutiefst verändert hat! Und: „Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über“ (in diesem Fall die Tastatur).

 

Im „normalen“ Leben halte ich mich aus Gründen, die im Folgenden skizziert werden, mit persönlich-religiösen Äußerungen eher zurück. Und das trotz meines Unterrichtsfaches Religion, da ich durch die leidvollen Erfahrungen meiner Kindheit und Jugend „allergisch“ gegen zu offensive religiöse „Missionierung“ geworden bin.
 

Nun zu mir...

Ich wurde als drittes von vier Kindern im tiefsten, dunklen Westerwald im Jahre 1963 geboren. Meine Kindheit war geprägt von mehreren Umzügen, bedingt durch den „strubbeligen“ Lebensweg meiner Eltern bzw. vor allem durch den beruflichen Werdegang meines Vaters: Als eines von 12 Kindern einer Bauernfamilie kam er durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges von Ostpreußen in den „Westen“ zurück (zurück deshalb, weil unsere Vorfahren unter Katharina der Großen gen Osten gezogen waren, um das Land urbar zu machen). Nachdem er den Beruf des Zimmermannes erlernt hatte, ereilte ihn der „Ruf Gottes“ (so nannte er es): Er machte eine Ausbildung zum Laienprediger in der Schweiz und übte diesen Beruf dann einige Zeit im Westerwald aus. Trotz der mittlerweile vier Kinder machte er dann, neben einer anschließenden Gemeindehelfertätigkeit in einem Vorort von Siegen, auf dem Zweiten Bildungsweg das Abitur.

Da Anfang der 70er Jahre in Hessen Pfarrer gesucht wurden, nutze er diese Gelegenheit und ließ sich zum Pfarrer ausbilden und nahm eine Pfarrstelle in Hess. Lichtenau-Reichenbach an. Meine Mutter war, wie bei einer gläubigen Frau nicht unüblich, Krankenschwester. Lebensbestimmend all dessen war bei beiden ein starker Glauben, der allerdings auch „Nebenwirkungen“ für uns vier Kinder hatte:

Aufgrund eines streng pietistischen Einschlages, noch verschärft in der christlichen „Hardcore-Version“ des „Ostpreußischen Gebetsvereins“, wurden wir vier Kinder vom Säuglingsalter an in jede christliche Veranstaltung geschleppt, ob wir wollten oder nicht. Der psychologische Druck war hoch und zudem auch noch mit einer sehr autoritären Erziehung gepaart. Alles drehte sich außerdem zu Hause nur um das „Reich Gottes“, dem alles, wirklich alles untergeordnet war. Aufgrund der streng religiös-pietistischen Erziehung gab es natürlich sehr viele Konflikte, da wir SO wie unsere Eltern es von uns verlangten, nicht leben konnten bzw. wollten: Disco, Tanzen, Alkohol usw. waren verpönt, da „Sünde“.

Das hatte zum Erfolg, dass ich nach meiner Konfirmation – im Rahmen des üblichen pubertären Ablösungsprozesses - nichts mehr mit Glauben und der Institution Kirche zu tun haben wollte, denn diese spezielle Form des christlichen Glaubens den meine Eltern mir/uns vorgelebt hatten,  konnte bzw. wollte ich nicht leben. Ich machte daher lange Jahre „Urlaub von Gott“.


 

Insgesamt betrachtet verlief meine spätere Jugend recht turbulent. Vom eher noch harmloseren Schwarzfahren mit verschiedensten Zweirädern bis hin zu noch viel grelleren Dingen, die ich hier lieber nicht erwähnen möchte: meine Mutter sah mich schon im Knast, und sie wusste auch schon warum. Doch irgendwie hatte ich immer Glück und ich fiel nie wirklich auf die Nase.

 

Neben meinem Elternhaus war auch die Schule eine Einrichtung, in der ich mich nicht wirklich wohl gefühlt hatte. Mein Motto hieß: Schule ist schon schön, nur der doofe Unterricht zwischen den Pausen nervt. Einige Lehrer sahen mich vermutlich lieber von hinten, da ich im Streiche aushecken wirklich sehr kreativ war.  :-)

 

Da ich zum Ende der Realschule hin dann irgendwie „vergessen“ hatte, mich zu bewerben und meine Eltern ja auch ausschließlich mit „dem Reich Gottes“ beschäftigt waren (s. o.), stand ich ohne Lehrstelle da. Da meine Noten im ersten Halbjahr der 10. Klasse ganz passabel waren, sah ich die Chance der gymnasialen Oberstufe. Doch nach der ersten Zusage fühlte ich keinen Zwang mehr, etwas zu lernen. Prompt verschlechterten sich meine Noten und ich musste in die Eingangsprüfung. Irgendwie erahnte ich das Thema einer schriftlichen Prüfung (Zufall), bereitete mich entsprechend vor und schaffte daraufhin die Prüfung.

Im letzten Jahr meiner Schulzeit fiel mir dann doch auf, dass Schule vielleicht besser als Bundeswehr sei. Um ein Jahr länger die Schule zu „genießen“, wollte ich durch das Abi fallen, auch, um dann noch länger mehr Zeit für meine damalige Freundin zu haben. Während meine Schulkameraden also fürs Abi büffelten, nutzte ich die Zeit für meine andere Lieblingsbeschäftigung: Motorradbasteln und -fahren.

Nach dem schriftlichen Teil stellte ich jedoch verblüfft fest, dass ich auch ohne Lernen gar nicht so schlecht abgeschnitten hatte, so dass ich für den mündlichen Teil dann doch ein wenig lernte. Erstaunlicherweise wurde dann noch dieses Wenige gefragt, so dass ich mein Abitur durch „Zufall“ bestand.

Nach dem Abi bekam ich die Einberufung zur Bundeswehr. Eigentlich wollte ich da überhaupt nicht hin. Aber bestimmte Erfahrungen brachten mich dazu: An der Kirche hatte mich damals die nicht selten anzutreffende sonntägliche Heuchelei einiger Kirchgänger angekotzt (manchmal auch noch heute und vor allem wenn ich an das „C“ im Parteinamen zweier Parteien denke): Sonntags brav in die Kirche gehen und im Alltag oft die letzten Arschlöcher sein!

Ähnlich war es mit der Bundeswehr: Von meiner Erziehung her tendierte ich eigentlich eher zur einer Kriegsdienstverweigerung. Aber als ich einige Kriegsdienstverweigerungsbegründungen von Mitschülern gelesen hatte, packte mich das kalte Grausen vor lauter Heuchelei: Die letzten Rüpel und Egos waren plötzlich lauter „Friedensengel“ und „total sozial“ und „bla und blubb“. WÜRG. Und da ich – auch heute noch – grundsätzlich hinter einer „Vaterlandsverteidigung“ stehe, ging ich halt hin.

 

Leider war das wieder – wie Elternhaus und Schule – eine „ZWANGS-Institution“. Und schon eckte ich erneut an, da ich – geprägt durch mein Elternhaus - keinen Alkohol trank, keine Karten spielte (was typische Tätigkeiten während der BW-Zeit sind!) und mich wieder gegen die autoritären Strukturen auflehnte.

Ich haderte zudem, gerade zu Beginn der BW-Zeit, immer mit der Problematik, die durch das geteilte Deutschland entstanden war: Ich hatte viele nette Cousins in der damaligen DDR und schon arge Gewissensproblem damit, was denn wäre, wenn irgendwelche „Ober-Idioten“ uns befehlen würden, aufeinander zu schießen (obwohl ich, nicht erst bei der Bundeswehr, grundsätzlich gerne geschossen habe: aber eher auf „Zielscheiben“ wie z. B. Nachbars Rollos usw.).

Trotz dieser Probleme habe ich auch etwas Positives von der Bundeswehr mitgenommen (neben der behaltenen „Macke“ mit den kurzen Haaren): Ein „Spieß“ quälte uns mit Morgensport vorm Frühstück, so dass ich das Joggen irgendwann als etwas Positives für mich entdeckte und nach dem Dienst lieber Laufen statt Saufen ging. Bis heute!

Ach ja und dann bekam meine Mutter doch noch Recht: Ich kam bei der Bundeswehr in den Knast. Das kam so: Es gibt ein Ritual gegen Ende der Wehrdienstzeit, alle möglichen und unmöglichen Gegenstände mit der Zahl der restlich-verbleibenden Diensttage zu beschriften. Beim Praktizieren dieses Rituals wurde ich leider von einem Unteroffizier beobachtet: Ich schrieb im Technik-Bereich mit Kreide (!!!) beim „Wache schieben“ auf einen Panzer „33 n. D.“ (d. h. nur noch 33 Tage Bundeswehr). Es gab einen Riesenaffenaufstand und man wollte mir auch noch ein Zivilverfahren anhängen mit der Begründung, dass wenn „ein Feind“ meinen Kameraden angegriffen hätte, ich ihn nicht hätte schützen können. Im abgesperrten Technik-Bereich? Im Innern der Kaserne?

Kurzum ich musste drei Tage (am Wochenende) in den „Bau“ und nach Ablauf der Bundeswehrzeit – als ich bereits meine Lehrstelle als Kfz.-Mechaniker bei der Bundespost angetreten hatte – musste ich diese Zeit noch mal „Nachdienen“, d. h. noch mal drei Tage zur Bundeswehr. Das erscheint nicht gerade logisch, da sich die drei Knast-Tage ja auf das Wochenende beschränkt hatten, aber so ist die Bundeswehr nun mal.

 

Kaum zum „Nachdienen“ angekommen, erfuhr ich, dass man mir 24 Stunden Telefondienst aufgebrummt hatte, obwohl jemand anderes bis dahin auf dem Dienstplan gestanden hatte. Da genau an diesem Tag mein Geburtstag war, hatte ich endgültig die „Schnauze voll“ von diesen Pappnasen und ging, ohne „Einhaltung des Dienstweges“, schnurstracks zum Bataillonskommandant um mich zu beschweren. Trotz dieses „Dienstvergehens“ hörte er sich die Sache an, konnte/wollte aber auch erstmal nichts dazu sagen. Kaum in der Kompanie zurück, musste ich auch schon zum Hauptmann (Kompaniechef) und wurde von ihm „volles Rohr“ angebrüllt. Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen, denn mir war klar, dass der vom Bataillonskommandant einen „gedrückt“ bekommen hatte angesichts dieser Schikane.

Am nächsten Morgen, während des Telefondienstes, kam plötzlich der Bataillonskommandant zu Fuß um die Ecke, gratulierte MIR persönlich zum Geburtstag und verschwindet wieder. Da schießen auch schon der „Spieß“ und der Kompaniechef aus ihren Zimmern und wollten wissen, warum der Bataillonskommandant im Haus war. Sie waren wie vom Donner gerührt, als ich ihnen sagte, das DER MIR gratuliert hatte.
Als dann auch noch alle Meister meiner Ausbildungsstelle anriefen und mir sehr herzlich gratulierten, war ich sehr gerührt und die Welt wieder in Ordnung. Und von diesem Tag an nahm mein Leben irgendwie eine deutlich positive Wende...

 

Apropos Lehrstelle: die Lehrstellensituation war damals fast wie heute und trotzdem bekam ich bei gerade mal drei (!) Bewerbungen „zufällig“ eine Super-Ausbildungsstelle zum Kfz.-Mechaniker bei der Deutschen Bundespost (damals wurden die gelben Autos noch selbst repariert). Dort bekamen wir qualifizierten innerbetrieblichen Unterricht, lernten intensiv und fundiert Drehen & Schweißen, reparierten Oldtimer und richteten die Unfallautos der Meister her. Es machte mir einen Riesenspaß und ich blühte auf.

In der Berufsschule hatten wir einen sehr netten und fachkompetenten Klassenlehrer - Herr Fahlbusch - und ich schrieb eine Top-Note nach der anderen, da mir das alles Spaß machte und mir auch von den Inhalten her lag (ich hatte ja seit meinem 13. Lebensjahr an allen Zweiräder und Autos herumgeschraubt und wäre auch gerne Zweiradmechaniker geworden).

Zwischen Herrn Fahlbusch und mir gab es ein Agreement: Ich schrieb gute Noten und konnte ansonsten so ziemlich tun und lassen was ich wollte (solange es nicht störend war). Außerdem half ich ihm auch noch, für eine akzeptable Geräuschkulisse in der Klasse zu sorgen, da ich Lärm beim Zeitunglesen bzw. generell noch nie leiden konnte. Um die Störenfriede in der Klasse ruhig zustellen, konnte ich ja auf fundierte Erfahrungen aus dem „Repressalienreservoir“ meiner Kindheit zurückgreifen ;-)

Meine Eltern jedenfalls waren total platt aufgrund der Super-Noten und des Lobes meiner Ausbildungsmeister: Vom schwarzen Schaf der Familie mit Knast-Erfahrung zum „Musterknaben“!

 

Aber wie sollte es nach der Ausbildung weitergehen?
Trotz meiner Super-Abschlussnote rieten mir alle Meister von der beruflichen Selbstständigkeit ab, da es genügend Meister im Kfz-Bereich auf dem Arbeitsmarkt gab und immer umfangreicher werdende Umweltauflagen, meinten sie, ich solle studieren: ich hätte doch schließlich Abi gemacht.
Da das schulische Lernen aber in keinster Weise zu meinen damaligen Lieblingsbeschäftigungen gehörte (abgesehen von der Berufsschule), konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, den ganzen Tag auf dem Hintern zu sitzen und für ein Studium Theorie zu büffeln.
 


 

Nach der vorgezogenen Gesellenprüfung gab es dann erwartungsgemäß keine Übernahmemöglichkeit im Kfz.-Bereich. Aber ich bekam ein Arbeitsangebot in der Paket- und Eilzustellung bei meinem bisherigen Arbeitgeber, der Deutschen Bundespost. Es folgte ein halbes Jahr in diesem Bereich, mit hammerharten Arbeitszeiten (z. B. 6 Tage Paketdienst und an vielen Wochenenden auch noch Eilzustellung), da meine jetzige Frau und ich damals noch nicht verheiratet waren. Dies ließ mich dann einsichtig werden und ich schmiss den Job hin, um doch zu studieren. Meine Eltern waren natürlich nicht sehr begeistert, dass ich den „sicheren Arbeitsplatz bei Vater Staat“ aufgab.

 

Trotzdem begann ich – aufgrund der Kfz.-Mechanikerausbildung und meines Hobbies - mit dem Maschinenbau-Studium. Das war aber leider keine gute Idee, da sich fast alles nur um Mathematik drehte und irgendwie total anders war, als ich es mir vorgestellt hatte: Vor allem sehr theoretisch, sehr trocken und mit z. T. menschlich sehr problematischen Professoren...

So schlich ich durch die Uni, irgendwie sehr unglücklich: ich wollte ja nicht zum zweiten Mal die „Flinte ins Korn“ werfen. “Merkwürdigerweise“ fragte mich gerade ein Mathe-Professor in einer Sprechstunde, ob mir das Studium Spaß mache (da er mir anscheinend angesehen hatte, dass ich ziemlich unglücklich war). Ich schüttete ihm mein Herz aus und er gab mir den Tipp, mir doch mal das Studienfach Wirtschaftswissenschaften anzusehen.

Das tat ich und ging in eine “zufällig“ ausgewählte Vorlesung. Und siehe da, mitten im Semester verstand ich etwas. Ich konnte einen praktischen Sinn in der Vorlesung „Angewandte Statistik“ erkennen und es machte mir auf Anhieb Spaß.

Da ich aber bereits den „sicheren Job bei Vater Staat hingeschmissen“ hatte, erzählte ich meinen Eltern erstmal nichts davon und begann inoffiziell mit Wirtschaftswissenschaften, quasi als Zweitstudium. „Zufällig“ begegnete ich in der Vorlesung einem Bekannten von dem ich die Mitschriften der bisherigen Vorlesungsinhalte kopieren konnte. Ich eignete mir die Inhalte autodidaktisch an und schrieb überraschend eine „2“ in der Klausur. Also wechselte ich endgültig den Studiengang. Das Studium machte mir fast durchgängig von den Inhalten her Spaß und ich wurde sogar in der Regelstudienzeit fertig.

Und das trotz verschiedener Nebenjobs zum Lebensunterhalt: ich konnte mich mit HiWi-Jobs im EDV-Bereich bei drei verschiedenen Profs und einigen Ferienjobs bei VW finanziell über Wasser halten. Ich bekam “zufällig“ ich immer den nächsten Job, wenn der vorherige geendet hatte.

Aber was sollte ich nun beruflich damit anfangen?
Wieder war ich in der Krise. Da hatte ich, bereits zum zweiten Mal die Idee, in Richtung „Lehre“ zu gehen (diesen Einfall hatte ich schon mal während des Maschinenbaustudiums gehabt, nur von dieser Seite aus erschien es mir damals unmöglich). Also informierte ich mich hinsichtlich des Studienganges Wirtschaftpädagogik. Allerdings musste nun ein Zweitfach her. Und das, obwohl mich damals in der Schule eigentlich alle Fächer angeödet hatten. Aber pragmatisch-praktisch wie ich bin, dachte ich mir: Wozu bist du in einem streng religiösen Elternhaus aufgewachsen und hast aus eben diesem Grund auch schon damals Reli als Leistungskurs in der Oberstufe gewählt (und bin damit auch nicht schlecht „gefahren“...)?

Also wählte ich – fast aus „Verlegenheit“ - Ev. Theologie/Religionswissenschaften als Zweitfach. So dachte ich zumindest. Aber bei meinem ersten Seminar im Fach Reli wurde mir klar, dass das keine „Zufallsentscheidung“ war:

Es war ein Bibliodrama-Wochenendseminar im Reinhardswald. Im herrlich-grünen Wonnemonat Mai. Ich hatte mir gerade einen Herzenswunsch erfüllt und mir aus verschiedenen „Enten“ (2 CV) ein Cabrio zusammengebaut (Eigenbau mit Einzel-/Sonderzulassung) und fuhr bei strahlendem Sonnenschein "Oben ohne" voller Erwartung durch die tollen Eichen-Alleen des Reinhardswaldes nach Veckerhagen.

Dort angekommen, sollte jeder Teilnehmer gleich zu Beginn, statt des üblich-einfältigen Vorstellens „Ich bin der XY...“, für ca. eine halbe Stunde ausschwärmen und in Haus oder Hof einen Gegenstand suchen, der für Religion in seinem Leben steht. Es war total spannend, was für tiefenpsychologische Aspekte bei der anschließenden Vorstellungsrunde zu Tage kamen und es entstand sofort eine sehr persönliche und positive Atmosphäre ein.

 

Bei meiner Suche nach einem Gegenstand, der für „Religion in meinem Leben“ steht, wurde mir sofort klar, das mein Symbol der Löwenzahn war: Man kann noch so oft versuchen die Pflanze oberirdisch abzureißen, sie wächst trotzdem immer wieder hervor! Oder auf mein Leben bezogen: Ich kann versuchen mich von der Religion zu lösen, von Gott „Urlaub machen“, aber Gott klopft immer wieder bei mir an und geht mir nach. An diesem Wochenende wurde ich von Gott emotional frontal erwischt! Und zwar im positivsten Sinne!!!
 

 

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Die vielen Situationen meines Lebens, in denen ich von „Zufällen“ oder „Glücksfällen“ ausgegangen war, sind die positive Führung Gottes gewesen. Mir war zwar in meinem Unterbewusstsein schon länger klar gewesen, dass es so viele positive „Zufälle“ gar nicht geben konnte. Aber ich hatte es einfach nicht wahrhaben wollen und „verdient“ hatte ich es angesichts meines Lebenswandels (s. o.), weiß Gott, auch nicht.

In diesem Bewusstsein studierte ich dann mit großer Freude das Zweitfach ev. Theologie/Religionswissenschaften, welches für mich persönlich und für meine religiöse Entwicklung immens wichtig und anregend war.

 

Für meine Examensarbeit im Rahmen des ersten Staatexamens wählte ich aufgrund meines Werdeganges bzw. meiner Biographie und meiner Neigungen das Thema „Computereinsatz in Pfarrämtern des Kirchenkreises Kassel“. Mein betreuender Professor war sehr menschlich und engagiert und das Thema machte mir viel Freude. Und obwohl es sehr viel Arbeit war und auch das Staatsexamen insgesamt sehr viel Aufwand und Mühen bedeutete, so wusste ich nun, warum es so gut lief und wieder Super-Noten heraussprangen...
 


 

Das Referendariat absolvierte ich an der Berufsschule Witzenhausen. Diese Zeit war sehr anstrengend, aber auch schön und zudem sehr fruchtbar für meine persönliche und pädagogische Entwicklung:

Anstrengend, da klar war, ohne eine „1“ vor dem Komma bekommst du keine Stelle. Schön, weil ich mit sehr vielen netten Kollegen viele schöne Gespräche über Gott (!) und die Welt führen konnte (und an die ich mich auch heute noch sehr sehr dankbar zurückbesinne!); Fruchtbar insofern, dass ich einen „unkonventionellen“ Fachleiter hatte, der mir durch seine sehr direkte Art die Augen für meine wirklichen Schwächen öffnete, d. h. jenseits des Formalscheiß´, aber auch für meine Stärken. Durch sein Coaching traf ich in der Folge mutige pädagogische Entscheidungen und arbeitete an meinen Schwächen.

Insgesamt war diese Zeit geprägt von sehr intensiven Erfahrungen des „Getragenwerdens“ durch meinen Glauben und ich konnte erkennen, dass dies MEIN Beruf ist. Und zusätzlich wurden die ganzen Mühen auch noch mit der entsprechenden Note honoriert!


 

Nach dem Zweiten Staatsexamen im Mai 1998 nutzten meine Frau und ich die folgende Zeit der erstmal absehbaren Arbeitslosigkeit (zumindest bis zum nächsten Schuljahr), um nach 13 Jahren „Probezeit“ zu heiraten. An unserem Hochzeitstag entschied sich mein Freund Bardo gegen eine ihm angebotene Stelle an der Herwig-Blankertz-Schule in Wolfhagen/Hofgeismar. Bei seiner Absage erwähnte er aber meine Situation und aufgrund meines Profils (Kfz.-Mechaniker UND Kaufmann) wurde die damalige Schulleiterin hellhörig. Sie änderte daraufhin die Stellenanforderung, da sie gerade versuchte, den neuen Beruf des Automobilkaufmanns an die Schule zu holen. Auf der Hochzeitsreise, kam dann aber leider die Mitteilung, dass es mit der Stelle nicht klappt: Da war Krise angesagt, denn die Konsequenz hieß Arbeitslosigkeit.

 

Doch „zufällig“ bekam ich, entgegen alle Prognosen und Erwartungen, direkt nach den Sommerferien einen Lehrauftrag an der Elisabeth-Knipping-Schule in Kassel. Hier wurde ich sofort mit offenen Armen in einem ganz tollen Lehrerteam aufgenommen, wo sich jeder intensiv um den/die andere kümmerte und alle prima zusammenarbeiteten. Ich fühlte mich vom ersten Tag an „pudelwohl“.

 

Glücklicherweise handelte es sich nur um einen 12-stündigen Lehrauftrag, da ich „nebenbei“ noch eine mündliche Prüfung in Wirtschaftswissenschaften absolvieren musste. Denn der seit zwei Jahren laufende Antrag auf Anrechnung der Wirtschaftspädagogik-Prüfungsteile war von einem kleinkarierten Prüfungsausschuss Wirtschaftswissenschaften abgelehnt worden. Es fehlten ihm ganze 10 Minuten an der mündlichen Prüfungszeit.
Doch das ganze „Ausbremsen“ nützte ihnen nichts, da mir die beiden Professoren aufgrund meiner erneuten und sehr intensiven Vorbereitung die gleiche sehr gute Note wie in WiPäd gaben und ich damit meinen zweiten akademischen Titel (Diplom-Ökonom) erlangen konnte.

Kaum hatte ich im November die Prüfung erfolgreich absolviert, bekam ich vom Staatlichen Schulamt das Angebot, den Lehrauftrag um sechs Stunden aufzustocken. Was für ein glücklicher „Zufall“! Ich konnte mir sogar die Stunden, Klassen und Fächer aussuchen!

 

Nach einem halben Jahr bekam ich dann das Angebot einer festen (!) Stelle an der Herwig-Blankertz-Schule in Wolfhagen, welches ich – aufgrund des tollen Arbeitsklimas an der Elisabeth-Knipping-Schule – mit eher schwerem Herzen annahm. Zu meinem Weggang veranstalteten die Team-Kollegen einen ganz tollen Ausstand, so dass ich mit Tränen in den Augen und einem Kloß im Hals sehr wehmütig Abschied von der EKS nahm.

Nach der sehr schönen Zeit und dieser Verabschiedung brauchte ich sehr lange, um mich an der Herwig-Blankertz-Schule wirklich wohlzufühlen.

Doch auch an diesem Platz konnte ich bei vielen kleinen und großen Anlässen das Getragenwerden durch Gott erfahren: sei es eine ganz wichtige Gebetserhörung in atmosphärisch-personeller Hinsicht, der Leitung einer halbjährigen schulinternen Fortbildung, bei einer Stellenausschreibung, der federführenden Organisation zweier Pädagogischer Tage (mit prima Verlauf, Atmosphäre und Ergebnissen) oder einfach im täglichen Miteinander mit Schülern, Kollegen und Vorgesetzten. DANKE!


 

Zwei sehr prägende Erlebnisse waren der Tod meines Vaters und meiner Mutter: So getragen vom Glauben wie mein Vater gelebt hatte, so „ging“ er, dahin, wo er zeitlebens letzten Endes hin wollte. So lautet seine Grabinschrift: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr. 13, 14). Diese Inschrift hatte er bereits Jahre zuvor ausgewählt und mitsamt seiner Beerdigungsansprache und der Liedwahl vorbereitet. Allein für dieses beeindruckende „Gehen“ hat sich sein Glaube „gelohnt“!

Ebenso ein ganz tiefes, traurig-„schönes“ Erlebnis war der Tod meiner Mutter: Die letzten vier Lebensstunden durfte ich bei ihr sein und ihre Hände halten; ihr unter Tränen ihr Lieblingslied singen („Stern auf den ich schaue“; EKG Nr. 407) und für sie beten. Und ich konnte bis zum letzten Atemzug bei ihr sein. Sie war bei MEINEM ersten Atemzug dabei und ich bei IHREM letzten. DANKE, lieber Vater im Himmel!
 


 

Abschließend möchte ich auf die Ausgangsfrage zurückkommen: „Zufall“ oder „roter Faden“? Diese Frage mag jeder unterschiedlich für sich, für sein Leben beantworten. Schließlich ist auch jeder Lebensweg anders. Für mich ist die Antwort mittlerweile völlig klar...

Rückblickend muss ich sagen, dass ich meinen Lebensweg nie wirklich geplant habe. Tendenziell kamen die Situationen eher auf mich zu und ich musste mich irgendwie entscheiden. Und trotzdem lief es eigentlich immer gut. Auch wenn ich natürlich nicht alle „Zufälle“ und Begebenheiten, wo ich Gottes Führung spüren konnte, auf diesen Seiten aufgeführt habe, so kann ich, wenn ich mein bisheriges Leben aus der Rückschau betrachte, nur zu diesem einen Ergebnis kommen: Mein „Zufall“, mein „Glück“ wird mit vier Buchstaben geschrieben und heißt GOTT. ER webt in meinem Leben einen „roten Faden“:

 Unser Leben als schöner Teppich!

So sehen wir im Augenblick nur die untere Seite des Teppichs, wo die Fäden kreuz und quer durcheinanderlaufen; uns manches Mal verknotet oder sogar gerissen erscheinen. Wir können das Muster - noch nicht  - erkennen!
Einmal aber wird sich unser "Lebens-Teppich" wenden und wir werden das Muster bestaunen und sehen, dass jeder Faden  dazu beigetragen hat, damit das Muster entstehen kann!

 

Allerdings habe ich trotzdem, gerade im Blick auf MEIN Ende, manchmal ein flaues Gefühl und ich frage mich: Wer wird MIR in meinen letzten Stunden die Hand halten? Denn da wir leider keine Kinder bekommen haben, erscheint dieses Gefühl erstmal berechtigt. Doch wenn ich dann zurück schaue und z. B. an das Ende meines Vaters und meiner Mutter (so getröstet zu sterben; allein dafür lohnt es sich zu glauben!), aber auch auf meinen bisherigen Lebensweg, so kann ich wieder getrost nach „vorne“ schauen. Denn Jesus hat uns nicht versprochen, dass wir keine Angst haben werden, sondern: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Das heißt, selbstverständlich habe ich auch als Christ typische menschliche Ängste, aber ich kann mit meinen Ängsten und Problemen zu IHM gehen und sie vor ihn legen; an ihn abgeben! Und das ist sehr entlastend. Und wenn meine Kräfte nicht reichen, lasse ich mir neue geben bzw. bekomme dass, was ich brauche, von IHM um mein Leben zu bewältigen.
 


 

Wenn du bis hierher „durchgehalten“ hast und dich das eine oder andere angesprochen hat, dann möchte ich dich ermuntern, auch mit dem „Konstrukteur“ DEINES Lebens Kontakt aufzunehmen. Sei neugierig! Probier’ es einfach aus; es tut nicht weh!

Christen sind nicht bessere Menschen, aber sie sind besser dran! Sie haben jemanden, der sie trägt. Und in diesem Vertrauen liegt das Geheimnis für den Weg mit Gott. Du musst Gott etwas zutrauen; du kannst ihn fordern! Dann kannst du darauf vertrauen, dass Gott auch in DEINEM Leben handelt.

Dabei kann es genauso „wunder-sam“ („zufällig“) in deinem Leben zugehen, wie es mir ergangen ist (und noch ergeht) oder auch in den biblischen Geschichten zuging (Joseph, Daniel, ...). Oder auch ganz anders, denn Gott führt uns manchmal sehr seltsame Wege („Der Mensch denkt und Gott lenkt“). Er führt uns vielleicht an Orte und zu Menschen, die man nie aufgesucht hätte. Er stellt uns vor Aufgaben, die uns im Moment überhaupt nicht lösbar erscheinen. Doch DU kannst darauf vertrauen, dass er DIR Gaben und Lösungsmöglichkeiten dafür geben wird, um diese deine (Lebens)Aufgaben zu lösen, auch wenn es ziemlich sicher andere Wege sind, als du es dir gedacht oder erhofft hast. Aber, und das ist meines Erachtens die Hauptsache, letzten Endes wird es gut. Und das ist doch das Wichtigste. Du riskierst nicht wirklich etwas, „gewinnst“ aber sehr viel! Jedoch: es gehören Neugier und Mut dazu!

 

Wenn du nach diesem tiefen Blick in meine Seele die Lust und den Mut hast, mir eine - wie auch immer geartete - Rückmeldung zu geben, so würde mich das SEHR freuen!  HERZLICHEN  DANK!

Mit fröhlichem Gruß
    Paul-Gerhard Orzessek

mail@paul-orzessek.de