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"S C H R E I B - L U S T"

- Ein Vorwort zu meiner Website -

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04.05.2015

Kraftquelle Pilgern – Meine Abenteuerreise ins „ICH“

Weiter Horizont, überwältigend schöne Landschaften,  ein unglaublich klarer Sternenhimmel des Nachts, der Geruch von Kiefernwald oder frisch geschlagenem Holz, wohltuende Stille, manchmal nur kurze aber umso tiefergehende, berührende zwischen­menschliche Begegnungen, die Erfahrung dass man einen tiefen Frieden und unbändige Freude auf und durch den Pilgerweg findet, das Erleben kleinerer und größerer „Wunder“. Alles das, aber noch viel mehr macht das Phänomen Pilgern aus. Es sind die Grenzerfahrungen auf mehreren Ebenen, die das Abenteuer und genau DASS ist es, tatsächlich bewirken…

Da ist zunächst die erste Ebene der körperlichen Grenzerfahrung, die nahe liegt, denn wer geht schon im normalen Alltag 20, 25 oder 42 Kilometer am Tag, mehrere Tage hintereinander oder gar wochenlang? Fragen wie  „Schaffe ich das überhaupt? Halte ich das auch körperlich durch? Wie geht es mir mit diesem Gewicht auf dem Rücken? Habe ich die richtige Ausrüstung? Komme ich überhaupt an?“ steigen zwangsläufig in einem auf!

Als mich ein Kollege vor den Sommerferien 2014 fragte, wie lange ich dieses Mal pilgere, sagte ich „Dreihundert Kilometer!“. Da erst wurde mir die Dimension des Weges so richtig deutlich, zumal ich bis dato als längste Strecke 180 km gepilgert bin. Und als ich dann wenige Tage später bei der Anreise zum Endpunkt des letztjährigen Pilgerweges bei Leipzig vom Zug aus die Wartburg von Eisenach sah, da seufzte ich tief, da mir genau die o. g. Fragen durch den Kopf schossen und ich mich fragte, ob ich in ca. zwei Wochen wohl hier heil an- bzw. durchkommen werde???

 

 

 

Pilgerweg Zwischen Gotha und Eisenach - endlose Weite unter blauem Himmel

Auch unterwegs ist kein Tag wie der andere. Kritische Fragen und Anfechtungen sind völlig typisch (zumindest bei mir). Regelmäßig wiederkehrende „Stolpersteine“ kreuzen den Weg und kommen gerne so z. B. nach ca. ein bis zwei Stunden wie „Au weia, noch mindestens weitere 5 – 7 Stunden!“ oder immer auch gerne „Scheiß-Blasen! Mann, die tun aber auch sau-weh!“ oder „O Hilfe, es liegen noch über 250 km Gesamt-Wegstrecke vor mir!“ usw.

Und damit sind wir bei der zweiten Ebene des Abenteuers Pilgern angelangt – die psychische Grenzerfahrung mit den Grundsatzfragen: „Warum tust du dir das überhaupt an? Was willst du damit bezwecken? Das bringt doch alles gar nichts! Wie doof bist du denn? Du könntest gemütlich auf der Couch/Terrasse mit deiner Frau liegen…“. Diese Anfechtungen tauchen regelmäßig auf und wollen einen immer wieder zum Aufgeben motivieren. Und hierin liegt das wirkliche Abenteuer, denn sich solchen Umständen konsequent auszu­setzen, dazu braucht es Mut, da unglaublich viel in einem passiert. Heftige innerliche Prozesse können, bzw. werden ablaufen! Prozesse, die einen mental und charakterlich letztlich unglaublich nach vorn bringen, aber vorher muss man dafür einige ganz entscheidende Hürden überwinden…

Sofern man allein pilgert, können das z. B.  Stille und Einsamkeit sein - zwei ganz wichtige Prozessverstärker. Diese fördern die Abenteuerreise ins „ICH“ ganz erheblich. Allerdings ist es für einen Menschen, der beim Alleine-Pilgern Stille und Einsamkeit erwartet, irritierend, dass zunächst keineswegs Ruhe, sondern ein unglaublicher Lärm in einem selbst aufkommt – „Gedanken-Lärm“.  Und dieser innerliche Lärm ist zu Beginn manchmal kaum zu bändigen. Aus dem alten China kommt es ein gutes Bild dafür: Die lärmenden Gedanken sind „Affen, die im Baum des Gehirns“ herumtoben und sich nicht bändigen lassen wollen. Und um von diesem Lärm „leer zu werden“ muss diese Hürde überwunden werden, das Toben muss ausgehalten werden. Man muss „den Affen“ Zeit geben, sich Auszutoben. Total hilfreich ist hierzu der Rhythmus der immer wiederkehrenden Gleichförmigkeit durch den regelmäßigen Schritt beim Pilgern (wie auch die „Flutsaumspaziergänge“ am Meer der Seele gut tun und zur inneren Ruhe führen): Durch die stundenlange und regelmäßige Bewegung löst sich „Festgesetztes“, geraten Dinge in Bewegung. Durch den äußeren Aufbruch bricht oft auch innerlich vieles auf…

Typischerweise steigen oft zu oder nach dem inneren Lärm auch noch „dunkle Gedanken und Gefühle“ in einem auf – eine nicht zu unterschätzende weitere Hürde. Thomas Härry, ein toller Schweizer Autor, stellt die These auf, dass jeder Mensch „Lebensbeulen“ abbekommen hat im Laufe seines Lebens - dass bei jedem Menschen Zerbrochenheit in irgendeiner Form vorliegt: nicht erfüllte Berufswünsche, zerbrochene Beziehungen, Schicksalsschläge in allen Facetten, Schuld die man sich aufgeladen hat usw. Ganz häufig wird das jedoch verdrängt bzw. hinter einer Fassade versteckt, mit entsprechenden intrapersonalen und zwischen­mensch­lichen Konsequenzen: durch die fehlende Authentizität kommt es nicht zu wirklichen tiefen und echten Beziehungen – nicht zu sich selbst und nicht zu anderen, dem Partner.

So ist die Angst vor der Auseinandersetzung mit diesen „Lebensbeulen“ ein ganz wesentlicher Grund, dass viele Menschen es entweder gar nicht bis hierhin schaffen (wollen) oder an dieser Stelle scheitern, denn spätestens hier merken sie, wie es um sie steht. Im normalen Alltag wird oft versucht, dieser Auseinander­setzung aus dem Weg zu gehen. Das ist oft auch der Grund, warum sich viele heutige Menschen heftig in ihre Arbeit stürzen oder in Freizeitstress. Oder in Konsum oder soziale Netzwerke flüchten. Nur, um sich nicht selbst zu begegnen. Doch auch wenn die Konfrontation mit dem Selbstbild und der eigenen Wirklichkeit im ersten Schritt ganz sicher auch wehtut, so kann eine konstruktive Auseinandersetzung damit zu einer inneren Heilung dieser „Lebenswunden“ führen. Aus der Zerbrochenheit kann Neues entstehen; Freiheit und Freude können sich einstellen – wenn man sich diesem Prozess stellt.

 

Und genau das durfte ich in meinen „Oasen-Zeiten“, den Pilgerreisen und Klosteraufenthalten der letzten Jahre intensiv erleben: So schrieb ich als Fazit des 1. Teil des Ökumenischen Pilgerweges letztes Jahr das unschöne, aber ehrliches Fazit in mein Pilgerbuch „Ich bin ein angstbesetzter Mensch – Angst vor Kälte, Nässe, Hunger, kurzum: Ungewissheiten. Deshalb bin ich ein Orga- und Planungsfreak, der einen großen Aufwand für ein ´Leben in der Komfortzone´ betreibt.“ Aua, das tat weh. Umso schöner, dass ich auf der Fahrt zum 2. Teil in diesem Jahr im Zug beim Lesen des letztjährigen Fazits erkennen konnte, das ich innerhalb des letzten Jahres durch sehr intensive und prägende Erfahrungen mit dem „Erfinder meines Lebens“ und weiteren heilsamen „Oasenzeiten“ ein ganz großes Stück innerer Heilung erfahren durfte und damit an Vertrauen und Gelassen­heit gewonnen habe.

Und hier kommt die dritte Ebene der Abenteuerreise ins Spiel: die spirituelle Ebene. Letztendlich dreht sich im Leben jedes Menschen alles um die Fragen „Was stillt meinen Lebenshunger wirklich? Was meine tiefste Sehnsucht? Wo findet meine Seele Ruhe, eine wirkliche Heimat, Sinn?!“

Während der Duden Heimat als Ort definiert, wo man geboren wurde, wo man her kommt, so ist mir die Definition des Dichters und Schriftstellers Christian Morgensterns sympathischer: Heimat ist nicht da, wo man seinen Wohnsitz hat oder hatte, sondern da, wo man verstanden wird, wo man angenommen ist, so wie man ist. 

Mein Nachtlager in Nepperwitz - Pilgerherberge alte Schule

 

Spannend und den Bogen schlagend zu meinen Pilgererfahrungen ist das Buch bzw. der Buchtitel des Sängers und Autors Andy Weiss: „Heimat – oder die Kunst, bei sich selbst zu Hause zu sein“.  Er vertritt die These, dass wir nie wirklich Heimat finden, wenn wir nicht in uns selbst zu Hause sind; wenn wir innerlich unzufrieden und rastlos sind. Und genau das kann ich aufgrund meiner Pilgererfahrungen bestätigen: Ich finde zunehmend meinen inneren Frieden; ich kann gut auch mit mir alleine sein, ich finde zunehmend meine innere, wirkliche Heimat! Und das hängt entscheidend mit etwas weiterem zusammen. So sagt der Neurologe und Psychiater Viktor Frankl „Der Seele Heimat ist der Sinn“. Oder anders ausgedrückt: Ohne Sinn keine Heimat für die Seele.

Und hier kommt ein weiteres typisch menschliches und spannendes Phänomen ins Spiel: Durch unser Tun in unserem Alltag, durch unsere Arbeit, unsere sozialen Beziehungen, unsere Routinen, suchen und finden wir, mehr oder weniger Anerkennung und Wertschätzung. Versuchen wir, einen Sinn zu finden. Wir laufen gewissermaßen wie Hamster in einem Rad. Das ist ein Stück weit normal. Wir versuchen unseren Sinn quasi ein Stück weit selbst zu kreieren. Was aber, wenn dies nicht möglich ist, die Routinen und normalen Rahmenbedingungen wegfallen? Zum Beispiel wenn man arbeitslos wird, krank, oder in Rente geht? Oder pilgert? Das sind „Ausnahmesituationen“, wo alles anders ist, die „normalen“ Mechanismen nicht greifen. Beim Pilgern hat man möglichst „Nichts“ dabei (allein vom Tragen des Gewichts her), ist man „Nichts“ - Status und Titel gelten nicht. Anders ausgedrückt, es geht um die Kern-Frage des menschlichen Daseins: Was ist, wenn ich nicht mehr abgelenkt und von allem Möglichen in Beschlag genommen bin? Wenn „Nichts“ ist? Was trägt mich dann? Woher bekomme ich dann meine Anerkennung und Wertschätzung? Meinen Sinn?

Diese Situation, dieses zuerst immer erstmal negative Gefühl hatte ich jahrelang immer zu Beginn der Ferien oder an freien Tagen (aber auch „gerne“ zu Beginn oder während meiner Pilgerreisen) – mal mehr oder weniger intensiv. Ich freute mich im Vorfeld immer auf diese Zeiten, habe mir 1000 Dinge vorgenommen (meine to-do-Listen reichen häufig einige Ferien weiter – ich ändere dann mittlerweile einfach die Jahreszahlen ;-) ). Wenn es dann soweit ist, war ich oft merkwürdigerweise mies drauf, quasi depressiv und habe auf nichts Bock. Ich nannte es immer „Ferienblues“, die mal 2, mal 3 oder gerne auch mehrere Tage andauerten. Schön war anders. Erst als ich in diesem Jahr durch das Buch „Das Geheimnis deiner Stärke – Wie Gott deine Lebensgeschichte gebrauchen will“ von Thomas Härry die o. g. Zusammenhänge erläutert fand, wurden mir die Augen geöffnet. Seine These besagt, dass der selbstgeschaffene Sinn in diesen Situationen wegfällt und unsere Seele uns das „Projekt Selbstzweifel und Co“ auftischt, weil sie mit dieser Situation überfordert ist und alte, falsche d. h. negative Prägungen („Du bist wertlos!“, „Dein Leben ist sinnlos, verpfuscht!“ usw.) uns bestimmen wollen.

 

 

Getreidefeld vor Erfurt

Mittlerweile ist diese Phase bei mir immer kürzer und vor allem: Ich weiß um diese Zusammenhänge und kann mich besser darauf einstellen. So nehme ich mir möglichst gleich etwas Schönes vor, damit ich erst gar nicht in dieses Loch falle, sondern einen „soften“ Einstieg in diese speziellen Zeiten habe. Mir ist klar, dass ich diese Hürde erst einmal überwinden muss, um zu tiefer Freude und Frieden zu gelangen. Zusätzlich muss ich mir über den Kopf diese falschen Prägungen klar machen und bewusst dagegensteuern und mir immer wieder vor Augen halten: ICH BIN GELIEBT und werde getragen! Putzig ist, dass ich das aus der RÜCKschau auf mein Leben immer total klar sehen und bejahen kann, leider jedoch nicht oder nur sehr schlecht in einem solchen Moment.

Die Konsequenz daraus kann und darf für mich jedoch nicht bedeuten, sich NICHT dem „NICHTS“ auszusetzen, sondern im Gegenteil: voll Mut und Vertrauen ins „NICHTS“ fallen zu lassen – und die tolle und fast unglaubliche Erfahrung zu machen, dass ich immer wieder aufgefangen werde! Und in diesen Momenten eine unerklärliche, ganz tiefe Freude und Sinn geschenkt bekomme. Von dem, auf dessen Zusage ich bauen darf, der zu mir und auch DIR sagt: „Komm zu mir, so wie du bist! Ich nehme dich ohne Vorbedingung an! Bei mir bist DU wirklich zu Hause!“ Und das ist einfach nur mega-geil!!!

 

 


 

Kraftquelle Pilgern konkret - persönliche Pilger-Erfahrungen Ökumenischer Pilgerweg 2014

Exemplarisch für meine Pilgerei möchte ich im Folgenden die 3 letzten Etappen meiner 16-tägigen Pilgerreise 2014 auf dem 2. Teil des ökumenischen Pilgerweges skizzieren.

Die drittletzte Etappe ging von Gotha nach Mechterstädt. Mein Problem: von den 5 Blasen hatte sich die am kleinen Zeh entzündet (siehe Bild) und alle zusammen verursachten immer noch ziemlich heftige Schmerzen. Da mir die letzten beiden Etappen (von Mechterstädt nach Eisenach und von da nach Vacha – dem Ende des Ökumenischen Pilgerweges) besonders wichtig waren, überlegte ich schweren Herzens, die heutige Etappe per Bahn zurückzulegen. Durch ein Gespräch mit einem Arzt, der auch Gast der Pension war und einem anderen Gast der sich in das Gespräch einschaltete, bekam ich auf einmal den „Impuls“, es doch zu wagen. Ich bat bei meiner anschließenden stillen Zeit Gott um einen eindeutigen „Impuls“ und den bekam ich dann auch: „Geh!“ Und sofort überkam mich eine unglaubliche Freude und Gewissheit, es zu schaffen und es wurde sogar ein ganz besonderer Tag…
 

Das Wetter war tippitoppi und die Strecke nicht überlang. Nach der Hälfte der Tagesetappe sah ich auf einmal am Horizont etwas mir Unbekanntes (bei den beiden vorherigen Malen, die ich diese Etappe vorher gepilgert war, war dort nichts gewesen, nur Wiese). Auf den riesigen Wiesen war heute jedoch „etwas“, die ganzen Wiesen waren voll mit „etwas“ (s. unten). Und da erinnerte ich mich, dass ich beim Frühstück mit halbem Ohr gehört hatte, dass der Arzt von heute Morgen ehrenamtlicher Helfer beim Bundescamp der Royal Rangers (Pfadfinder­organisation der Freikirchen) in Neufrankenroda war. Ich hatte noch im Ohr, dass er der Pensionsbetreiberin gesagt hatte, dass an diesem Freitag-Nachmittag 250 Busse erwartet und letztendlich 15.000 Personen auf den Wiesen ein Bundescamp veranstalten würden. Ich konnte es gar nicht fassen, was ich dann sah: wie Perlen an einer Schnur trudelten ununterbrochen die o. g. 250 Busse ein. Mir als Logistiker ging das Herz auf, als ich die perfekte Orga sah. Und auf den endlos weiten Wiesen und Äckern war eine riesige Zeltstadt für einige Tage entstanden. Normalerweise steht bei der Familienkommunität von Neufrankenroda ein 12 Meter hohes Kreuz, allein auf eine riesengroßen Wiese, welches man sogar von der 10 km entfernten Autobahn 38 sehen kann. Heute eher nicht. Der Stein-Altar unter dem Kreuz war das Zentrum des Freiluft-Hauptquartiers und überall drum herum Kinder und Jugendliche mit ihren Betreuern, die dabei waren, in fröhlich-ausgelassener Stimmung ihre Zelte aufzubauen: Hammer! Der Knaller war dann ein temporäres Stadion in Form einer Ritterburg für die 15.000 Menschen. Das Thema lautete: „Aufbruch!“ - wie passend, auch für mich.

entzündeter kleiner Zeh - auch so etwas gehört manchmal dazu

 


Die "Ritterburg" am Horizont - Temporäres Stadion für
15.000 Royal Rangers

 

Die "Ritterburg" von Innen

Ich stellte mir vor, abends bei Fackellicht da einen Gottesdienst in dieser Menge mitzuerleben und mit 15.000 anderen Christen Lobpreislieder zu singen – das wärs. Und so trabte ich dann immer noch ziemlich unter Fußblasen-Schmerz leidend in die 3 km entfernte Unterkunft und überlegte, wie ich es anstellen könnte, abends dabei sein zu können – ohne zu wissen, ob das überhaupt erlaubt wäre, als Fremder daran teilzunehmen. Aber die Stimmung und die Vorstellung vom gemeinsamen Singen hatten mich infiziert…

Die tolle Pilgerherberge in einer Behinderteneinrichtung war neu, hell und schön. Und obwohl ich es sonst durchaus liebe, eine sehr ruhige Herberge zu haben, so hatte mich diese wirklich absolute Ruhe auf dem oben beschriebenen Hintergrund doch irgendwie runtergezogen. Da ich auch per Smartphone-Recherche nicht herausfinden konnte (schlecht strukturierte Website), ob die Teilnahme eines Externen überhaupt möglich wäre und auch nicht gewusst hätte, wie ich dort hin und wieder zurück gekommen wäre mit den Blasen, war ich ziemlich geknickt. Einzig die schöne Unterkunft mit tollem Fernblick ins Tal und auf den gegenüberliegenden Inselsberg bauten mich ein wenig auf.

Als ich dann mitbekam, dass noch eine Frau spät am Abend erwartet wurde, die bei dem Bundescamp-Aufbau helfen würde, freute ich mich. Sie kam aber leider nicht und so wurde die Laune nicht besser.

Der PLanungsstab unter dem Keuz

Am nächsten Morgen kamen die dunklen Gedanken wieder und als ich beim Bezahlen mitbekam, dass ich das Fahrrad eines Pflegers hätte ausleihen können, war meine Laune wieder im Keller. So trottete ich gen Eisenach zum Hörselberg und wurde noch trauriger, als mir klar wurde, dass dies die vorletzte Etappe werden würde. Auf dem Berg war die Aussicht bei wenigstens schönem Wetter wieder gigantisch auf den gegenüberliegenden Inselsberg. Ich kehrte im Berggasthof ein und bevor ich, nach einem lecker Stück Kuchen und einem Latte Macciato, wieder aufbrach, ereilte mich ein Telefonat auf dem Weg zum Klo. Wie schon so häufig erlebt: immer wenns mies lief, passierte auch immer wieder etwas Aufbauendes. Ein kleines oder großes „Wunder“: Meine Frau hatte mich versehentlich angerufen – sie hatte sich vertippt. Nur einige kurze Worte und dann brach ich auf. Und siehe da: meine Laune hatte sich aus unerklärlichen Gründen schlagartig gebessert und ich konnte auf einmal die Strecke und die Aussicht richtig genießen und bekam eine unerklärliche und ganz tiefe Freude. Die Strecke ab dem Hörselberg ist ein geteerter Radweg, den ich sonst nicht so mochte und deshalb immer bestrebt war, ihn zügig hinter mich zu bringen. Aber heute genoss ich ihn in vollen Zügen und als am Horizont das Burschenschaftsdenkmal  von Eisenach auftauchte, verlangsamte ich nochmals meine Geschwindigkeit um noch länger etwas von der Strecke zu haben. Ich trudelte dann gemütlich bei schönstem Sonnenschein in Eisenach ein und setzte mich beim Italiener gegenüber meiner Pilger-Herberge in die Sonne, genoss einen Latte Macciato und schrieb die erste Runde Tagebuch. Dann checkte ich in meiner absoluten Lieblings-Pilgerunterkunft, dem Diakonissenmutterhaus von Eisenach, ein. Ich war allein in der großen, schönen Herberge und konnte wie schon so oft, meinen „Lieblingsplatz“, d. h. Matratze belegen.

"Meine" Pilgerherberge im Diakonissenmutterhaus in Eisenach &
"Meine" Lieblings-MatraTze (in der Mitte)

Dann folgte das übliche Abendprogramm: Duschen, Wäschewaschen, kurzes Nickerchen und ab zur Abendandacht. Dort fühle ich mich schon wie zu Hause, war ich doch bereits 7 oder 8 Mal zu Gast in diesem Diakonissenmutterhaus. Man begrüßte mich freudig und es war ein schönes Gefühl, ein Gefühl des Nachhausekommens und des Angenommenseins. Die alten Ladys (Diakonissen) sind schon wirklich sehr knuffig.

Mit Pilgertagebuch bewaffnet ging es dann zum Italiener rüber in den Biergarten zum lecker Abendessen. Nach ausgiebigem Tagebuchschreiben folgte der obligatorische Stadtrund­gang und dann ab auf die Matratze. Nächsten Morgen frühstückte ich mit zwei Diakonissen aus Frankfurt, die in Eisenach Urlaub machten. Dann gesellte sich noch eine Elterngruppe von Royal Rangern dazu, die ihre Kinder im Bundescamp besuchen wollten. Ich schwärmte ihnen von meinen gestrigen Eindrücken vor und es entstand wieder, wie schon so oft beim Pilgern, eine ganz besondere Atmosphäre: völlig wildfremde Menschen haben eine kurze, aber intensive gemeinsame Zeit mit tiefgehenden und oft berührenden Gesprächen – verbunden durch das Band des Glaubens. Nach einem Gottesdienst mit sehr ansprechender Predigt und Abendmahl traf ich eine alte Bekannte aus dem Diakonissenmutterhaus und wir führten im Sonnenschein vor der Kirche noch einen längeren Schwatz. Das tat richtig gut!

Anschließend kommt dann doch wieder eine Unruhe hoch, da sich die Pensionsbetreiberin der nächsten Unterkunft in Vacha, immer noch nicht gemeldet hat (ich hatte sie den Tag zuvor angemailt). Ich spreche ihr also noch einmal auf den Telefon-AB und setze mich hinter das Haus zum Lesen meines o. g. tollen Buches von Thomas Härry.

Irgendwann ruft dann die Pensionsbetreiberin aus Vacha an und wir freuen uns beide, dass wir uns nächsten Tag wieder sehen werden (ich habe dort schon einige Male übernachtet, da die Strecke von Eisenach nach Vacha meine "Hausstrecke" ist). Das Buch zog mich dann so in seinen Bann, dass ich fast das Kaffetrinken vergessen hätte. Beim Lesen floss auch so manche Träne, zeigte es mir doch einiges in meinem Leben auf und dass tat total gut!

Auf dem Weg zum Abendessen beim Griechen kommt dann mal wieder eine neue Unruhe auf: Welche Strecke gehe ich denn am nächsten Tag: die 28, 32 oder womöglich die ganzen 42 km? Ich bitte Gott um Antwort und bekomme dann auch den Impuls: „Du wirst die 42 km in Kraft und Freude gehen!“ Ein positives Kribbeln durchflutet mich…

Ich stehe um 5:45 Uhr auf und starte um 8:00 Uhr mit einem leichten Kribbeln im Bauch, denn obwohl ich die Strecke, zumindest die 32 km bereits 7 Mal gelaufen bin, so bin ich die volle Strecke (42 km) erst einmal vor drei Jahren gelaufen. Und dabei musste ich die letzten 4 km heftig auf die Zähne beißen vor Schmerzen. Wie würde es mir wohl in diesem Jahr nach fast 300 km ergehen?

Die Strecke ist dann der Hammer an dem Tag: Ich kann sie in vollen Zügen genießen und es „flutscht“ nur so. Das Wetter ist zwar etwas kühl, aber sonnig – so läufts sich prima. Begegne praktisch keiner (!) Menschen­seele auf der gesamten Strecke von Eisenach nach Vacha (s. Bild). Deshalb liebe ich sie so, deshalb ist sie zu meiner Lieblingsstrecke geworden, denn wo gibt es das sonst noch in Deutschland?


Ganz viel Einsamkeit & Stille in den Wäldern zwischen Eisenach und Vacha

Ich laufe festen Schrittes nach ca. 9 Std. über die Brücke von Vacha und bin überglücklich. In Vacha gehe ich zu Olaf Dietzel in die Rhönbuchhandlung und hole mir dort die Urkunde ab, die die 450 km des Ökumenischen Pilgerweges dokumentiert und den dazugehörigen Sticker (Herr Dietzel ist DIE Anlaufstelle in Vacha und vermittelt auch Pilgerunterkünfte). Habe ein kurzes nettes Gespräch mit ihm und treffe wieder auf die beiden Frauen aus der Lausitz, die auch schon in Eisenach in der Herberge waren: sie sind schon zweimal den Jakobsweg gepilgert. Wow! Hut ab! Ich beneide sie ob ihrer Pilgerreisen…

Beim üblichen Abendessen beim Inder im Kellerhaus sitze ich an „meinem“ Tisch“ in der Sonne, schreibe voll Glückseligkeit Tagebuch und kann es kaum fassen: Ich habs geschafft – und bin mega-gut drauf!  

Auf dem Weg zur Unterkunft kommen jedoch mal wieder die üblichen dunklen Gedanken hoch und ich frage mich, ob es wirklich eine gute Idee war, die private Pension zu buchen, statt in der  örtlichen Pilgerherberge zu nächtigen. Dort hätte ich vermutlich noch eine Austauschmöglichkeit mit anderen Pilgern gehabt über den Pilgerweg bzw. das Pilgern. Hmmmmm…

Als ich jedoch um die Ecke komme, sitzt die total nette Pensionsbetreiberin mit ihrem Mann im Wintergarten und sie laden mich zu einem kühlen Getränk ein. Und so „schnuddeln“ wir ausgiebig und ich erzähle ihnen voll großer Freude von meinen Pilgerlebnissen und meinem tollen Buch. Sie schauen sich zwischendurch  mehrfach bedeutungsvoll an und erzählen mir dann, dass es bei meinem Thema „Lebensbeulen“ genauso wie bei ihrem Schwiegersohn sei. Ich werde hellhörig, denn ich „kenne“ ihn, wenn auch nicht persönlich, so doch von den mehrfachen Gesprächen mit der Pensionsbetreiberin, immer wenn ich dort übernachtet habe. Er ist wie ich Berufsschullehrer und jahrelang, so wie ich, immer knapp am Burnout entlang geschrammt. Mit Erschütterung höre ich, dass er mittlerweile frühpensioniert wurde – mit 52 Jahren, wegen Depressionen ist. Au weia. Ich bin sehr betroffen – und dankbar, dass ich für mich einen Weg gefunden habe, konstruktiv mit meinen Lebenswunden und den Belastungen des Lehrerberufes umzugehen: So gehe ich regelmäßig ins Kloster oder pilgern (in der warmen und trockenen Jahreszeit). Zudem hat Gott mir eine ganz tolle Vorgesetzte geschenkt, die ihre Mitarbeiter wertschätzt und fördert – und selbst pilgern geht. Wow! Halleluja! Ich bekomme den Impuls, dem Schwiegersohn einen Brief zu schreiben…

Rundum glücklich ziehe ich mich zurück und dusche. Wäsche waschen kann ich ja Gott sei Dank, heute mal ausfallen lassen, da am nächsten Tag ja Heimreise ist. Auch mal schön.

Als ich im Bett liege und den Tag und den gesamten Weg Revue passieren lasse, kann ich es immer noch nicht richtig fassen: Was für eine Zeit (16 Tage), was für eine Strecke (300 km), was für Hammer-Erlebnisse unterwegs, kleine und größere „Wunder“ und dann am letzten Tag noch die 42 km-Strecke – und das auch noch in großer Freude und Kraft und vor allem OHNE eine einzige Blase zu bekommen! Wow, wow, wow! Ich bin nur überglücklich und zutiefst dankbar. Höre und singe noch ein wenig Lobpreislieder und schlafe dann voll tiefen Friedens ein.


Lecker
Frühstück bei Sonnenschein im Wintergarten in der schönsten Pension Vachas

 

Nach einem gewohnt hammerguten Frühstück ist der Impuls vom Abend zuvor immer noch da und so schreibe ich dem Schwiegersohn der Pensionsbetreiberin einen Brief. Anschließend fahre ich mit Bus und Bahn nach Hause. Dabei kriecht dann mal wieder der Zweifel hoch: Hält der Schwiegersohn mich nicht für bekloppt? Ist das nicht eine Anmaßung, einem wildfremden Mann Ratschläge zu geben? – meine Anfechtungen sind mal wieder voll da…  Die Lobpreislieder während der Bahnfahrt bringen mich dann Gott sei Dank wieder auf die richtige Spur und so mache ich mich, auf dem Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe angekommen, quietschvergnügt auf den Weg nach Hause bzw. zu meiner Frau.

Auf dem Bahnsteig angekommen, sehe ich eine alte Dame, die bei Sonnenschein mit ihrem Schirm rumwedelt. Ich frage sie frech, wen sie denn damit verkloppen will und merke auf einmal, dass sie total aufgewühlt ist. Sie erzählt mir, dass jemand von der Bahnhofsmission sie abholen wollte, um sie zum entsprechenden Gleis zu bringen. Um Vertrauen zu stiften erzähle ich ihr, dass ich gerade von einer Pilgerreise komme und biete ihr an, beim Umsteigen zu helfen (sie ist recht alt, hat Schwierigkeiten sich zu orientieren und das Gehen fällt ihr auch schwer). Sie ist heilfroh und kann meine Hilfe nicht fassen. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig auf das andere Ende des Bahnhofes zu gelangen und sie in den richtigen Zug zu setzen. Auf dem Weg haben wir ein kurzes, aber sehr intensives Gespräch und sie ist unfassbar glücklich, dass sie so unerwartet Hilfe bekommen hat, will sie doch ihren 90jährigen Bruder mit einem Geburtstagsbesuch im Altersheim überraschen. Ich erzähle ihr, dass ich solche „Wunder“ regelmäßig auf meinen Pilgerreisen erlebe. Zum Abschied wünscht sie mir noch Gottes Segen und wir umarmen uns – zwei wildfremde Menschen, die sich nur wenige Minuten gesehen haben und nie mehr in ihrem Leben sehen werden.

Mit Tränen in den Augen gehe ich zutiefst bewegt zu meiner Frau an die Arbeit und kann ihr erzählen, wie ich zum krönenden Abschluss meiner Pilgerreise auch noch „Engel“ spielen durfte – Hammer!!!

Wie schön ist es, meine Frau wieder in den Armen zu halten und gleich zu Hause zu sein… Auf dem Heimweg komme ich ins Nachdenken: Und wenn ich nicht den Impuls gehabt hätte, die alte Dame anzusprechen? …

 

Neeee, watt war das wieder für eine schöne Pilgerreise!!! DANKE, lieber Vater im Himmel!!! Ich freu‘ mich schon aufs Pilgern 2015!!! J

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Pilgerherberge Merseburg - auf der Emporen-Ebene


Mein Nachtlager: rustikal, aber was für ein total toller Ort - EinSchlafen & Aufwachen mit Blick aufs Kreuz (s. o.)

 

Begleitphänomene des Pilgerns: „Packen“ & „Unterkünfte buchen“

Diese beiden Phänomene sind Indikatoren für die Psychostruktur eines Pilgers und „machen etwas“ mit einem – und das schon im Vorfeld!

Ich kenne eine Person, die bei ihrem ersten Pilgern in ihrem Leben für 2 Tagesetappen mit einer Übernachtung doch tatsächlich einen Rucksack mit 24 kg Gesamtgewicht mitgenommen hat – und prompt massive Probleme aufgrund des Rucksack-Gewichts bekommen hatte. Eine andere Person geht den gesamten Jakobsweg mit 3 kg Gepäck (der Bestseller-Autor des Buches „Im Smoking auf dem Jakobsweg“ --> enthält sehr empfehlenswerte Anregungen! Hätte ich es früher gelesen, hätte ich viel Geld für falsche Ausrüstung und mir unnötige Schlepperei gespart!!!). Mit Hilfe dieses Buches konnte ich mein Rucksack-Gewicht von 14 kg (2010) auf ca. 7 kg (2014) und somit sehr deutlich reduzieren! Wenn ich nach jeder Pause den Rucksack aufsetze bin ich dem Autor unendlich dankbar ;-)

Der eine Pilger plant und organisiert ganz frühzeitig, beginnt damit z. T. schon ein Jahr im Voraus und tüftelt an einer ausgeklügelten Packliste. Die andere Pilgerin schmeißt abends schnell ein paar Pilger-Utensilien in den Rucksack und fliegt nächsten Morgen nach Frankreich und beginnt den Jakobsweg. Dass, was ihr fehlt, kauft die Pilgerin einfach unterwegs ein und nimmt als „Message“ mit nach Hause „Es ist/wird für mich gesorgt!“, während die andere Person mit der ausgeklügelten Packliste vielleicht trotzdem feststellen muss, dass etwas fehlt?

Kurzum, es geht um die Frage „Was beherrscht mich - Angst oder (Gott)Vertrauen bzw. Gelassenheit? Bin ich zwanghaft, unflexibel und will aus Angst, dass mir etwas aus dem Ruder läuft, alles vorplanen und vergebe mir so Chancen, Wunder geschehen zu lassen? Oder bin ich flexibel, kann mich mit den Gegebenheiten auf dem Pilgerweg arrangieren und habe das Vertrauen, dass „es schon irgendwie“ klappt, dass „für mich gesorgt ist/wird“ – und es klappt dann auch immer auf wunderbare Weise…?

 

Das Gleiche gilt für das Buchen von Unterkünften: Wann buche ich?

Der eine reserviert alle Unterkünfte für eine 3 Wochen-Pilgerreise monatelang vorher, die andere ruft mittags mal eben per Handy an und bucht kurzfristig – und hat noch nie Pech gehabt. Angst oder (Gott)Vertrauen – was beherrscht mich? Ein ganz spannendes Lernfeld… ;-)


 

Lobpreislieder und Gerüche als Glücksverstärker des Pilgerns

Ich singe seit nunmehr 2,5 Jahren in dem Gospelchor unserer Gemeinde. Es macht mir große Freude und selbst wenn ich mal nicht so große Lust auf Chorprobe habe, so fahre ich nahezu immer beschwingt, singend und gut gelaunt hinterher nach Hause. Welche Bedeutung das Singen für mich tatsächlich hat, durfte ich letztes Jahr bei einer 3 Tages-Pilgerung von Erfurt nach Eisenach erfahren. Ich hatte mich bei einer Etappe verschätzt und kam viel zu früh an. Da ich kein Buch dabei hatte und das Wetter nasskalt und windig war, saß ich schon am sehr frühen Abend in meinem Zimmer und wusste nicht so recht, was ich mit dem Rest des Tages anfangen sollte. Da ich allein in der Pilgerherberge war, hörte ich mir die Mitschnitte von den Chorproben auf meinem Handy an und sang doch tatsächlich fast 3 (!) Stunden am Stück lauthals Gospel- und Lobpreislieder. Dass tat mir unglaublich gut, es berührte meine Seele zutiefst und ich hätte am liebsten meinem Chorleiter eine SMS geschickt und mich für diese schönen Lieder bedankt – wenn ich seine Handy-Nr. gehabt hätte. Da wurde mir überdeutlich, was das Singen von Lobpreisliedern für mich wirklich bedeutet.

Und so habe ich mittlerweile möglichst bei jeder Pilgerreise neue Lieder dabei oder Lieder, die mich tief berühren. Und eines der Lieder wird immer irgendwie zu meinem „Mottolied“ – egal ob auf Pilgerreisen oder bei Klosterzeiten: Das ist immer hochspannend und nicht beeinflussbar! Wenn ich ein solches Lied dann später wieder höre, laufen mir meist sofort die Tränen, da ich an diese tollen Zeiten & Erlebnisse erinnert werde!

Zudem: Beim Hören und vor allem beim (mit)Singen der Lobpreislieder wird meine Seele ganz tief angerührt – diese Lieder stellen für mich quasi die Online-Verbindung zu Gott her. Ich könnte und möchte mir ein Leben ohne sie und IHN nicht mehr vorstellen!!!

Glücksverstärker sind für mich auch die vielen verschiedenen Gerüche: Kiefernwald, feuchter Laubwald (Eiche, Buche – den Unterschied riecht man!), Pferde-, Kuh oder Schafweide, frisch gepflügter Acker, gemähte Wiese, Heu, Wiesenweg in der heißen Sommersonne, knackende Getreidefelder im gleißenden Sonnenlicht, modrig-feuchte Bachluft, frisch geschlagenes Holz (s. u.), usw.

Im Wald vor Vacha: Es riecht wunderbar nach frisch geschlagenem Holz


 

Kraftquelle Pilgern: Eine Abenteuerreise ins ICH - Doch woher kommt eigentlich die Kraft?

Sicherlich, die körperliche Anstrengung kostet Kraft. Jedoch bekommt man sie durch die oben beschriebenen innerlichen Prozesse und tollen „Begleitphänomene“ mehrfach zurück. Zumal die körperliche Grenz- und Ausnahmesituation einen Menschen „weicher“ und „durchlässiger“ für Spirituelles werden lässt: So schreibt auch Hape Kerkeling in seinem Buch bzw. spricht in seinem noch viel besseren, supertollen Hörbuch davon, dass „der Weg einen irgendwann hat und man steht weinend irgendwo im Nichts“. Und genauso ist es! Und das ist einfach nur mega-geil! Denn es sind Tränen der Berührung, der Freude, der Geborgenheit! Im Idealfall geschieht das sogar mehrfach am Tag und das tut einfach nur sausaugut! Und dann spürst du in solchen Momenten tief in dir drin: Ich bin geliebt, getragen und geborgen!!!

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Liebe Leserin, lieber Leser, falls dich an diesen Zeilen etwas angesprochen, geärgert oder erfreut hat, so würde ich mich über eine wie auch immer geartete Rückmeldung SEHR freuen!

Ganz vielen Dank im Voraus sagt schon mal

Paul-Gerhard Orzessek 

mail@paul-orzessek.de

„Ad-Hoc-Reste-Nacht-Mahl“ in Kleinliebenau - völlig unproblematisch und schön!
(es gab keine Einkehrmöglichkeit oder Geschäft)

 
P.S.: Apropos „Lebensbeulen“ - Leben in Zerbrochenheit

Der Clou an den Büchern von Thomas Härry ist der Umgang mit unseren „Lebensbeulen“ bzw. unserer Zerbrochenheit: Während manche Menschen gelähmt werden von ihren Lebenswunden oder im schlimmsten Fall daran sogar zerbrechen, so bekommen andere einen konstruktiven Umgang damit hin (Fachbegriff Resilienz). Statt wie relativ typisch diese Beulen zu verstecken oder „schöne Fassaden“ davor aufzubauen, verstecken diese Menschen ihre Lebenswunden, ihre Zerbrochenheit NICHT und erreichen dadurch, dass auch andere Menschen ihrerseits diese Lebenswunden nicht verstecken. So kann es zu einer Solidarisierung kommen und zu echten Beziehungen auch zwischen wildfremden Menschen (s. o.).

Spannend und total nachvollziehbar ist zudem Härrys Unterscheidung der Menschen in 2 Kategorien:  Die verwundeten Verwundern (das sind typischerweise meist Männer bzw. Menschen, die sich sehr schnell „auf den Schlips getreten“ fühlen – ich selbst kenne das nur zur Genüge…)  und die verwundeten Vermeider (das sind eher Frauen bzw. Menschen, die Konflikten lieber aus dem Weg gehen und im Zweifelsfall „Ja“ sagen…). Wenn ein Mensch es mit Gottes Hilfe nun schafft, die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen und sich nicht im Selbstmitleid darin zu suhlen und seine Lebenswunden so lange ans Kreuz Jesu bringt, bis sie ausgeheilt sind, dann werden aus verwundeten Menschen, geheilte Menschen. Die Weiterführung davon ist dann, dass Gott aus ehemals verwundeten Menschen und deren vermeintlichen Schwächen Stärken, ja sogar Neues machen macht und diese Menschen dazu gebrauchen will, anderen Menschen aufgrund ihres speziellen Zugangs, ihrer spezifischen Lebenswunde bzw. „Kompetenz“ (!)  zum wirklichen Leben zu helfen. Und zuallererst zu einem Leben in Freiheit und Freude verhelfen möchte: So werden sie zu verwundeten Heilern. Das ist ein hochspannender und total hilfreicher Prozess. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle Menschen drum herum. J

 

Eine Bank - und was hängt da?

 

„Buch-Projekt“ auf dem ökumenischen Pilgerweg

Ein schöner Text daraus

 Privat-Web

 mail@paul-orzessek.de


 

Jahreswende 2013-14

Hallo!  Schön, dass Du da bist!

 

Ich wünsche Dir für das kommende Jahr

ein zufriedenes Herz und

ganz viel Freude mit den Menschen, die Dir wichtig sind!


Das wünscht Dir von ganzem Herzen

Paul-Gerhard Orzessek

 

 

27.05.2013

Ich war dann mal weg...

„Ich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, mit 12 Kilo Gepäck auf dem Buckel in der Gegend rumzulaufen!“ Das sagte ich im Jahr 2008, nachdem ich den Rucksack einer zierlichen Pilgerin angehoben hatte – doch 2 Jahre später war genau DAS eingetreten. Wie kam es zu diesem Sinneswandel? Und warum pilgere ich immer wieder?

Schon einige Zeit zuvor hatte ich die Tagesberichte einer Pilgergruppe auf dem neuen „Elisabeth-Pfad“ von Eisenach nach Marburg in der örtlichen Zeitung mit großem Interesse verschlungen. Ich merkte, dass mich dieses Thema absolut in den Bann zieht!

In der Weihnachtszeit 2007 war ich dann zum ersten Mal mit meiner Kirchengemeinde Niederkaufungen (>>) zu Einkehrtagen im Kloster Volkenroda bei Mühlhausen gewesen. Dort fühlte ich mich Gott so nah, wie nie zuvor in meinem Leben und das tat sehr, sehr gut! Hinzu kam die unglaubliche Atmosphäre des Klosters – einem über Jahrhunderte „durchbeteten“ Ort, dem man dies auch abspürte. Und dann auch der Christus-Pavillon, mit seiner zutiefst bewegenden Geschichte. Dieses Erlebnis war eines der intensivsten in meinem bisherigen Leben gewesen und so „verarbeitete“ ich es auch gleich in einer Website (>> „Meine Sehnsucht“).

Dies beides führte dazu, dass ich in den Sommerferien 2008 beschloss, den Elisabeth-Pfad zu pilgern. Aus Zeitgründen und weil ich für meine Leben gerne Rad fahre, hielt ich es für eine gute Idee, die ca. 200 km von Eisenach nach Marburg in zwei Tagen mit einer Übernachtung in Homberg/Efze per Rad zu bewerkstelligen. Hintergrund: die 90 km Kassel nach Eisenach bin ich schon häufig mit dem Rennrad gefahren - (vor)mittags hin und nach Thüringer Rostbratwurst und Latte Maccioato wieder mit der Bahn heim. Daher dachte ich mir: 2 x 100 km pro Tag sind ja dann bis abends kein Problem...

Leider wurde es eines, sogar ein großes, da bereits am ersten Tag mittags die gesamte Zeitplanung „explodiert“ war. Das lag an drei Gründen: größere technische Problem mit der Federung des neuen Rades, das zudem deutlich schwerere und mit Gepäck beladene Mountain-Bike an sich (statt dem leichten Rennrad ohne Gepäck) und vor allem der Streckenzustand! Dieser ähnelte häufig eher einer Cross-Strecke: steilste Anstiege, tiefe Matsch-“Seen“ ohne Umfahrungs­möglichkeit, heftige Abfahrten, nahezu undurchdringliche Windbrüche (s. Bilder) auf der Strecke führten dazu, dass ich beide Tage ca. 12 Stunden im Sattel saß und jeweils abends im „stockfinstern“ und „glühend“ ankam – trotz guter Kondition! In der Wegbeschreibung des Elisabeth-Pfades war meines Erachtens nicht wirklich darauf hingewiesen worden...

Doch auch wenn es in keinster Weise ein „spirituell-besinnliches Erlebnis“ war, so war es eine Erfahrung gewesen, die mich tief geprägt hatte und die ich nicht mehr missen wollte! Als Fazit beschloss ich daher, beim nächsten Mal einfach weniger km pro Tag anzusetzen...

 

Als ich dann zum zweiten Mal in der Weihnachtszeit 2008 mit meiner Gemeinde im Kloster Volkenroda war und dort im Klosterladen die Wegbeschreibungen zum 300 km langen Pilgerweg Kloster Loccum (bei Hannover) zum Kloster Volkenroda sah, fasste ich den Beschluss: „Dass ist dein nächster Pilgerweg!“

In den Sommerferien 2010 fand ich dann endlich die Woche Zeit, die ich meinte, zu benötigen, denn ich wollte es ja aus o. g. Erfahrungen heraus bei ca. 60 km pro Tag belassen, um auch „Raum für spirituelle Erfahrungen“ zu haben. So weit die Planung. Es kam allerdings anders, denn es waren eigentlich wieder zu viele Kilometer pro Tag, da auch diese Strecke „nicht ohne“ und die Beschilderung der Strecke z. T. auch undeutlich war...

Und als ich dann am dritten Tag relativ ausgepumpt das vollbeladene Rad einen sehr heftigen Anstieg bei Bodenwerder über einen Kilometer hochschieben musste, rechnete ich mal nach und stellte fest, dass ich gerade ca. 22 kg den steilen Berg hochschiebe - von wegen „ich würde nie 12 kg auf dem Buckel rumtragen“ (siehe Eingangssatz) – neee, aber 22 kg den steilen Berg hochschieben! Da kamen zum ersten Mal ernsthafte Zweifel auf, ob Radpilgern die richtige Pilgerform ist - neben der fehlenden Besinnlichkeit und Zeit für Spiritualität. Doch wieder war es alles in allem ein tolles Erlebnis gewesen und ich hatte endgültig „Blut geleckt“ - es waren ja nur zu viele Kilometer gewesen...

Als ich in Volkenroda eine sehr beeindruckende Frau traf, die mit lediglich einem 25 l-Rucksack ausgestattet, ohne Handy, ohne Karte und ohne Uhr einen dreiwöchigen (!) neuen (!) Pilgerweg nach Waldsassen startete, war ich zutiefst beeindruckt. Wir verstanden uns total gut, hatten sehr tiefgehende und lange Gespräche und so bat ich sie bei der Verabschiedung am nächsten Morgen, mich möglichst hinterher anzurufen und mir von ihren Erfahrungen zu berichten. Nach ca. 4 Wochen rief sie tatsächlich an und die Art und Weise, wie sie mir davon erzählte und wie sie „drauf“ war, ließ endgültig den Entschluss reifen: „Beim nächsten Mal pilgerst du zu Fuß!“    

So machte ich mich in den Herbstferien 2010 auf, kaufte eine Ausrüstung zusammen und plante eine Pilgerreise: Da ich nur drei Tage zur Verfügung hatte, suchte ich einen Pilgerweg in der Region und kam per Internet auf den Rhön-Jakobsweg. Ich startete in Vacha – dem Ende des ökumenischen Pilgerweges von Görlitz - in Richtung Fulda.

Nach der Anreise mit der DB bis Hersfeld und dem Bus nach Vacha startete ich gegen Mittag bei blauem Himmel und optimalen Temperaturen. Total fasziniert von der „neuen“ Form des Pilgerns ging ich gut gelaunt meinen Weg und staunte, wie viel mehr man beim Fußpilgern sieht. Allein das Fotografieren war um vieles leichter und benötigte im Gegensatz zum Radpilgern nicht annähernd die gleiche Zeit (beim Radpilgern kann sich das nämlich durchaus auf 2 Stunden am Tag und mehr addieren, denn bei einem Rad ohne Ständer bzw. mit mit dem Gepäck für eine Woche muss man ja erst eine geeignete Abstellmöglichkeit finden, dann die Kamera rauskramen, Fotos schießen,  anschließend die Kamera wieder wasserdicht verstauen und wieder Fahrt aufnehmen – ein zeit- und kräftezehrendes Unterfangen).

Bei der ersten Pause verspürte ich auf einmal Schmerzen im linken Knie und auch das rechte meldete sich. Die Schmerzen wurden mehr und mehr und ich fand das gar nicht mehr lustig. Ich haderte: „Da kaufst du dir für viel Geld eine tolle Ausrüstung, hast Freude an dieser Pilgerform gefunden und nun das!“ Ich versuchte, mich nicht hinein zu steigern und „gab“ es im Gebet an Gott ab. Aber auch die Zweifel, die mich zwischendurch schon mal befallen hatten, kamen immer wieder hoch: Was machst du hier eigentlich? „Taperst“ hier in der Rhön am A... der Welt herum. Was suchst du hier? Musst du hier rumlaufen, um Gott zu finden???“ Aber ich „gab“ die Zweifel ab und lief weiter...

Abends trat dann noch ein grandioser „Schnitzer“ zu Tage: ich hatte durch schwierige und umfangreiche Unterkunft-Recherchen aufgrund eines Feiertages zwei Orte bzw. Adressen vertauscht und war im falschen Dorf gelandet. Glücklicherweise bekam ich aber trotzdem ein Bett.

Erschöpft ging ich früh schlafen, in der Hoffnung, dass die Schmerzen am nächsten Morgen wieder weg seien, denn mir war klar: So geht es sonst nicht weiter! Ich bat Gott um ein „Wunder“ und nach 9 Stunden sehr unruhigen Nachtschlafs aufgrund der Schmerzen war ich am nächsten Morgen doch tatsächlich einigermaßen beschwerdefrei. Ich machte mich sehr früh auf, da ich zu 18.00 Uhr im Bonifatius-Kloster in Hünfeld zum Abendgebet sein wollte. Es war bitterkalt und neblig, aber die Laune war trotzdem prima und ich hatte die Hoffnung, die Pilgerreise fortsetzen und auch bis zum Ende durchhalten zu können.

Beim Point-Alpha in Geisa gab es einen total beeindruckenden Kreuzweg mit tollen Stahl-Skulpturen mit  zeitgeschichtlichen Bezügen zur DDR-Zeit (Bilder einfügen).  Auch hatte ich einige interessante Begegnungen mit verschiedenen Menschen, die etwas in mir auslösten, das man jedoch schlecht in Worte fassen kann – oder will. Auf jeden Fall: So viel tolle Natur in goldener Oktobersonne, glucksende Wasserbächlein, total stille Täler, tolle Ausblicke von Bergen – Herz, was willst du mehr?!

Beim Betreten der Klosterkirche in Hünfeld „überfällt“ mich dann eine solche Stille, dass ich lediglich das Rauschen meines Blutes im Kopf höre – ich bin absolut überwältigt! Und meine Knie: Hatten durchgehalten!  Ich war wohl den ersten Tag zu schnell und vor allem zu ungestüm mit vielen Drehungen über meine Knie (trotz 12 kg-Rucksack auf dem Rücken) gelaufen. Durch den heutigen Versuch, Drehungen möglichst zu vermeiden und bewusster zu Gehen, hielten sich die Schmerzen in vertretbaren Grenzen. Ich empfand eine grenzenlose Dankbarkeit, denn ich hatte totales Gefallen am Fußpilgern gefunden! Das Gefühl ist eigentlich nicht beschreibbar – dass musste der so genannte „Flow“ gewesen sein!

Die Nacht verlief nahezu schmerzfrei und so startete ich von diesem sehr beeindruckenden Kloster Hünfeld in Richtung Fulda – wieder bei Nebel und Kälte, entlang der Bundesstraße mit ihrem lärmenden Autoverkehr, der mich mehr oder weniger den restlichen Tag begleiten sollte: Hmmm, die Geräuschkulisse hätte ich mir eher so wie an den ersten beiden Tagen gewünscht.

Und prompt kam wieder der Zweifel hoch: „Was machst du hier eigentlich? Musst du tatsächlich hier in der Rhön „rumalbern“, um Gott zu finden?“ Doch als dann vormittags die Sonne durchkommt, da brechen Tränen der Freude und Dankbarkeit aus mir heraus und ich fühle mich Gott wieder so nahe, wie sonst kaum in meinem Leben! Mir wird klar: Sicherlich braucht es keine Pilgerreise in die Rhön, um Gott nahe zu sein, doch fällt es mir durch das Ausbrechen aus dem Alltagstrott, den Alltagsroutinen, deutlich leichter, diese „leise“ Stimme Gottes zu hören – so wie bei den beiden Malen im Kloster Volkenroda; mein Pilgern folgt nicht der Absicht, ich will oder kann mir dieses Gefühl „erarbeiten“, sondern durch das Bringen in solche „Ausnahmesituationen“ fällt es mir einfach leichter, innerlich zur Ruhe zu kommen, den „Lärm im Kopf“ loszuwerden, die vielen Stimmen die mir zuflüstern: „Denk' an dies und das und das musst du auch noch machen und das darfst du auf keinen Fall vergessen! Und was würde der oder die dazu sagen?“ und und und.

Diese leise Stimme zu mir sprechen zu hören, tut jedenfalls unendlich gut! Davon will ich mehr! Und nicht nur in Ausnahmesituationen, sondern auch im Alltag! Auf diesem Weg bin ich nun – immer wieder und immer mehr! --- 

Und wie ist es bei Dir,
liebe Leserin, lieber Leser?
Wie kommst Du zur Ruhe und
kannst die „leise“ Stimme dessen hören,
der es gut mit Dir meint?

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Falls Du Lust und den Mut hast,
mir eine Rückmeldung (
mail@paul-orzessek.de)
zu meinen Pilgererlebnissen zu geben,
so würde mich dies SEHR freuen!!! DANKE!!!

Mit fröhlichem Gruß 

 
Paul-G. Orzessek

 Privat-Web

 mail@paul-orzessek.de


07.04.2013

„Ich bin dann mal OFF“

Die große Sehnsucht nach Stille – damit sich das Leben wieder „echt“ und lebendig anfühlt

 

Der schleichende Beginn

Wer kennt das nicht: Der Alltag ist hektisch und prall gefüllt. Beruflich werden immer höhere Ansprüche an uns gestellt und man hat bitteschön kompetent und perfekt zu funktionieren. Dazu kommt dann noch der eigene Perfektionsanspruch...

Und auch privat surft man nicht nur mit High-Speed durchs Web, sondern auch die Partnerschaft will aktiv gelebt und gepflegt sein. Gleiches gilt für Familie und Freunde. Und Sport als notwendiger Ausgleich oder Erfüllung muss aber bitteschön auch noch sein; möglichst viel – man will ja fit bleiben. Und dann noch die vielen anderen privaten Interessen, Möglichkeiten und Zwänge: „Früher habe ich coole Klamotten genäht; DAS würd' ich gerne wieder machen“, „DIESEN Kurs würde ich aber auch noch gerne machen“, „DAS möchte ich aber auf keinen Fall verpassen, die anderen sind ja auch alle dabei...“, und, und, und. Doch irgendwie hat der Tag „nur“ 24 Stunden...

Geht es so oder ähnlich nicht jedem / jeder heutzutage? Und auch wenn man sein Leben grundsätzlich im Griff hat und es eigentlich gut läuft, so merkt man irgendwann: „Hmmmm, irgendwie fühlt sich das Leben irgendwie nicht mehr „echt“ an!“ Es ist zwar knallvoll und prall gefüllt – aber es fühlt sich nicht mehr wirklich „lebendig“ an. Uns fehlt die innere Ruhe. Wir sind Getriebene und wir treiben uns auch selbst. Zwangsläufig rückt dadurch das Gefühl der eigenen Begrenztheit und die eigenen Minderwertigkeitsgefühle in den Mittelpunkt. Und das fühlt sich nicht schön an...

Doch was nun? Je nach Lebensdeutung gibt man entweder „mehr Gas“, in der Hoffnung, wieder „auf die richtige Spur zu kommen“. Oder man sucht sich andere Partner, Freunde, Hobbys oder gar einen neuen Job. Man füllt den Tag anders oder noch mehr, vielleicht auch, um einfach nicht darüber nachdenken zu müssen. Aktionismus als „Droge“.

Oder man wendet sich an „den Erfinder des Lebens“ und macht ein intensives „Date“ mit ihm aus, um sich von IHM Rat zu holen; z. B. um sich ein neues „Update“ aufspielen zu lassen...
 

Aufbruch in die Stille

Der Weg zur Lösung ist uralt: Im 4. Jahrhundert nach Christi Geburt kam ein Schüler zu dem Wüstenvater Arsenios mit der Frage: „Was muss ich tun, um das Leben zu gewinnen?“ Arsenios antwortete ihm: „Fliehe, schweige, ruhe!“ Auch wenn es für uns heutige Menschen befremdlich, ja absurd klingt, aber der Aufbruch in ein gelingendes Leben erwächst tatsächlich aus der Stille. Und der Rat des Arsenois gibt genau den Weg, eine sinnvolle Reihenfolge vor:

Zuerst heißt es „Fliehen“: Dieser erste Schritt benötigt jedoch einen (sehr) starken Willen, muss man  doch aus dem Trubel des Alltags ausbrechen, um die Stille zu suchen. Denn nur in der Stille kann ich die leise und heilsame „Stimme des Erfinders meines Lebens“ hören. Ich muss dazu sicher nicht besondere Orte auswählen, jedoch liegt es auf der Hand, dass ich im Fußballstadion oder einer Disco diese Stimme weniger gut hören kann. Ob es ein bestimmter Raum, ein besonderer Sessel,  ein Lieblingsort in schöner Natur oder sogar ein Klosteraufenthalt ist: Ohne den Trubel und die Hektik des Alltags gelingt es leichter, diese heilsame Stimme zu hören. 


 

 

 

 

 

 

 

Vollmond und absolute (!) Stille - ein unglaubliches Geschenk!

Aber auch der zweite Schritt – das „Schweigen“ hat es in sich und wird für nicht wenige Menschen zum „Stolperstein“. Denn zuerst kann Stille erschreckend laut sein, da ich plötzlich die vielen Stimmen in meinem Kopf noch deutlicher als sonst wahrnehme. Das Bild-Wort von der „Affenhorde, die im Baum herumtobt“ beschreibt diese Phase sehr gut: Vieles tobt und zerrt innerlich an und in mir und will partout nicht, dass ich zur Ruhe komme und die gesuchte Stimme hören kann. Eine andere Stimme sagt mir sogar, dass der Weg in die Stille doch wohl total bescheuert sei...

Doch wenn ich diese Phase überstehe, wenn die „Affen“ aufgegeben und sich getrollt haben, dann werde ich in ein heilsames Schweigen des Herzens geführt. Und hier begegne ich IHM: Hier erfahre ich ein Getragen- und Geborgensein bei Gott. Hier erfahre ich Ruhe.

Jedoch auch diesen dritten Schritt – Ruhe - erhält man nicht „kampflos“: Übung und fester Wille sind auch hier sehr wichtig, denn wir sind von Kindesbeinen darauf „dressiert“ und erfahren daraus unsere Anerkennung, dass wir etwas tun, etwas leisten. Nichtstun – Muße, dies sind Tabu-Worte in der heutigen Gesellschaft. Lautet doch ein zentraler Leitspruch unserer Gesellschaft: Du bist, was du leistest!


Du bist wertvoll !

Doch gerade die Erfahrung, immer mal wieder dem Alltag und der Hektik zu entfliehen, aktiv die Stille zu suchen, um in dieser Stille dann eine tiefe Ruhe zu finden, lässt dich entdecken: In der  Gegenwart des „Erfinders deines Lebens“ musst du NICHTS leisten, hier darfst du einfach nur „SEIN“. Du darfst sagen: „Du Gott, liebst mich, so wie ich bin – ohne Leistung oder Vorbedingung!“ Ich darf mit ALLEM zu DIR kommen!“ Und plötzlich erkennst du:

Gott liebt uns nicht,

weil wir so wertvoll sind,

sondern es ist genau umgekehrt:

Wir sind so wertvoll,

weil Gott uns liebt!

(Prof. Dr. Thielecke)
 

 „Stille-Wege“ zu Gott – Schätze entdecken!

So verschieden wie jeder Mensch ist, so unterschiedlich sind die Wege, Möglichkeiten und Intensitäten, in die Stille zu kommen. Die intensivsten Wege sind die folgenden:

-    Man kann dem Beispiel Hape Kerkelings folgen und einfach „dann mal weg sein“ - und darf erfahren, was in der Stille und Einfachheit eines solchen Pilgerweges passieren kann (vom Tagespilgern bis zum Pilgern bekannter Pilgerwege wie dem Elisabeth-Pfad von Eisenach nach Marburg, diverse Jakobswege - auch in Deutschland, …).

-     Oder man sucht die „Stille auf Zeit“ in einem Kloster – Möglichkeiten und Angebote dazu gibt es viele (vom „Tag der Stille“ bis zu „Kloster auf Zeit“ ist alles möglich).

-     Auch zieht es viele, vor allem junge Menschen, in die französische Provinz, wo die ökumenische Gemeinschaft von Taizé mit einem sehr ansprechenden Wechsel aus Gebet, Bibelarbeit, Stille und Gesang so anziehend wirkt, dass Taizè-Gottesdienste auch bei uns ein „Renner“ sind.


Klosterkirche Volkenroda - Lobpreislieder bei Nacht

Neben diesen besonderen „Stille-Wegen“ gibt es aber eine Vielzahl an weiteren Möglichkeiten. Ein Tipp ist hier die >> Hompepage des Jahres-Projektes 2010 „Jahr der Stille“. Unter dem Link „Mitmachen“ → „Ideenbörse“ kann man viele spannende und neue „Stille-Wege“ kennenlernen. Doch egal WIE Stille gesucht und gefunden wird: Hauptsache jeder/jede findet den für ihn/sie passenden Weg...

 

Stille im Alltag – Beispiele aus meinem Leben

Unbestritten ist: es fällt leichter, auf einer Pilgerreise oder im Kloster in die Stille zu kommen. Doch die wirkliche Herausforderung liegt darin, solche „Oasen der Stille“ in den Alltag einzubauen: periodische und aperiodische, sowie kleine oder größere – je nachdem was man braucht bzw. einem möglich ist. 

 

 

 

 

 

 


Klosterkirche Volkenroda

Die Zisterzienser-Mönche, die einst das Kloster Volkenroda gründeten, haben das in der Formulierung „sich von Gott unterbrechen lassen“ sehr treffend ausgedrückt. Daraus kann man auch erkennen, dass die zeitliche Quantität nicht die Hauptrolle spielt – sondern der Effekt ist ausschlaggebend: in meiner Geschäftigkeit innehalten, (kurz) still werden, mich auf Gott ausrichten, von IHM füllen lassen - und gestärkt dann wieder in den Alltag zurückkehren!

Da gibt es als regelmäßiges Element in meinem Leben die klassische „Stille Zeit“ zu einem persönlich sinnvollen Zeitpunkt – das ist bei mir als „Morgenmenschen“ weder mittags (da „feiern meine Affen High Noon“), noch abends (da ist mein Akku leer), sondern frühmorgens, wenn der Tag noch frisch und unverbraucht ist. Vielleicht manchmal auch noch etwas müde; aber mittlerweile möchte ich diese Zeit nicht mehr missen. Und so lasse ich mich lieber von Gott mit guten Worten füllen, als mich von Gedanken und Anforderungen an den Tag „zumüllen“ zu lassen: Ich habe mein „Morgen-Begrüßungsritual“ nach Anselm Grün, lese einige Verse in der Bibel, den dazugehörenden Losungs-/Auslegungstext aus „Mit der Bibel durch das Jahr“ (Kreuz-Verlag) mit oft interessanten Gedanken und ein einem schönen Abschluss-Gebet. Derart gestärkt, gehe ich in den Tag!

 Auf der Fahrt zur Arbeit höre ich dann meist Lobpreislieder, die dazu führen, dass ich nicht ausschließlich über den vor mir liegenden Tag nachdenke oder grübele. Oder ich übe meine Gospel-Chorlieder ein – alles Lieder, die der Seele gut tun und mich oft den ganzen Tag begleiten und mir Power und Freude schenken. 

„Dran-Denker“ verschiedenster Art in den Tagesablauf einbauen – „Mini-Stille-Oasen“ so zu sagen: vom Programmieren des Handys mit einem Stundenschlag (bei mir ein leises Vogelzwitschern – stellvertretend für...), wechselnde „Dran-Denker“ auf dem Schreibtisch am Arbeitsplatz oder zu Hause: Bilder, Sprüche oder Symbole. Oder das „Segnungs-Stoßgebet“ vor dem Betreten des Klassenzimmers oder dem Gehen in ein Problemgespräch. Zudem habe ich seit 2010 das (Fuß-)Pilgern und regelmäßige Klosteraufenthalte als ganz intensive Kraftquellen für mich entdeckt... 

 Den oben beschriebenen Worten kann man entnehmen: der Kreativität und Möglichkeiten sind keinerlei Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur eins: Man tut es!  :-)

 

Abschließender Tipp

Wie bereits oben erwähnt, war 2010 das „Jahr der Stille“. Auf der Homepage des Projektes findest du im tollen und informativen Themenheft (pdf-Datei als Download) und der umfangreichen Ideenbörse ganz sicher auch etwas für DICH!

 

„Nach-Klapp“

Zu Hause angekommen, lasse ich dankbar und vor allem schmunzelnd (!) diese "Oasen-Tage" im Kloster Bursfelde Revue passieren. Ich bin wieder erstaunt, wie witzig die Führung Gottes in diesen Tagen war! Denn eigentlich wollte ich ein Buch zu Ende lesen, dass ich in den Weihnachtsferien angefangen hatte und leider nicht fertig bekommen hatte. Eigentlich…

Aber auf einmal bekam ich, angeregt von einigen Zeitschriften-Artikeln zum Thema Stille, eine unbändige „Schreiblust“, die alle Pläne wegblies und mich unglaublich gefangen nahm und pushte. Das Ergebnis hast du gerade gelesen...  :-)

Und so gehe ich mit großer Freude und Kraft er- und gefüllt in meinen Alltag – in mein „Hamsterrad“. ;-)

DANKE, lieber Vater für die Zeit mit DIR!!! :-)

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Falls Du Lust und den Mut hast,
mir eine Rückmeldung (
mail@paul-orzessek.de)
zu meinen Stille-Erlebnissen zu geben,
so würde mich dies SEHR freuen!!! DANKE!!!

Mit fröhlichem Gruß 

 
Paul-G. Orzessek

 

 Privat-Web

 mail@paul-orzessek.de


Jahreswende 2012-13

 

Ich wünsche allen Nutzern dieser Website

ein gutes neues und gesegnetes Jahr 2013

sowie viel Erfolg beim "Durchstöbern" und
Lernen mit dieser Website!

 

Mit fröhlichem Gruß

Paul-Gerhard Orzessek

 

07.01.2012

„Bitte wenden!“  -  Navi fürs Leben

Kaum eine Autofahrer nutzt noch einen Straßenatlas oder fährt ausschließlich nach Straßenschildern. Nahezu jeder fährt mittlerweile mit einem Navi. Ist ja auch praktisch: Ziel eingeben, losfahren und sich von einer selbst ausgesuchten Stimme leiten lassen. Die Stimme gibt die nötigen Anweisungen und kündigt Probleme an. Sie macht auch auf Fehlverhalten aufmerksam. Etwa wenn man zu schnell unterwegs ist und es gefährlich oder teuer werden kann. Auch wenn man sich nicht an die Anweisungen hält und eine Kurskorrektur nötig wird, meldet sich die Stimme: „Bitte bei der nächsten Möglichkeit wenden!“ Und wenn man dies ignoriert, wird sie im Tonfall energischer: „Bitte wenden! Bitte wenden!“ So werde ich wieder auf den richtigen Kurs gebracht, denn jeder Kilometer in die falsche Richtung bringt mich von meinem Ziel weg und kostet unnötig Lebenszeit und Energie.

Beim Autofahren weiß ich meist, wohin ich will und bin dankbar für sinnvolle Kurskorrekturen und Mahnungen.

Aber: Wie sieht es in MEINEM LEBEN damit aus?

 

 


HNA, 02.02.2011

Quelle: http://www.hna.de/nachrichten/deutschland/schon-wieder-navi-bringt-autofahrer-gefahr-1106853.html

 

In MEINEM LEBEN ist das schon deutlich komplizierter! Es gibt so viele Möglichkeiten, Vorgaben und Ziele:

- Was ist denn mein Lebensziel?
- Und was ist der beste Weg dorthin?
- In welchem Tempo soll oder will ich unterwegs sein?
- Was sind meine Zwischenziele?
- Welche Aufgaben gilt es unterwegs zu bewältigen?
- Wer begleitet mich bzw. von wem möchte ich mich begleiten lassen?
- Wie sieht es mit den Lenk- und Ruhezeiten aus?

Fragen über Fragen!


 


 

Wie sieht es denn mit dem Navi für DEIN LEBEN aus? Von welcher Stimme lässt DU DICH in DEINEM Leben lenken?

Sich hierüber Gedanken zu machen könnte hilfreich sein! Finde die „richtige“ Stimme bzw. das richtige Navi für DEIN Leben! Damit DU DEIN ersehntes LEBENSZIEL erreichst!


Viel Erfolg beim Finden des richtigen Navis & gute Fahrt auf DEINER LEBENSREISE

wünscht Dir
von ganzem Herzen

Paul-Gerhard Orzessek
 

 


P.S.:
>> Hier kannst du etwas über MEIN Navi erfahren...


(
inspiriert durch die Losung vom Dienstag, 03.01.2012 während meiner „Oasentage“ im Kloster Bursfelde zum Jahresanfang 2012)

  

 

 

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03.03.2010

04.08.2009

"Seelness, lebensnotwendige Bremse im Hamsterrad
ein "Muss" im Leben jedes Menschen?!!

Jeder Mensch lebt meiner Meinung nach - bewusst oder unbewusst - in einem Hamsterrad. Und auch wenn ich mein Leben in besagtem Hamsterrad liebe (siehe auch Kolumne vom 14.10.2008), so muss es neben Zeiten der Anspannung, auch immer ein entsprechendes Maß an Zeit für Entspannung geben, da wir ja keine Roboter sind (und selbst die benötigen Wartungs- und Inspektionszeiten!). Das zu vernachlässigen, würde bei entsprechendem Beruf und hohem Verantwortungsbewusstsein unweigerlich zum "Burnout" führen.

Da der Mensch aus den drei Bereichen Körper, Geist und Seele besteht, sind diese hinsichtlich der Entspannung jeweils entsprechend zu berücksichtigen. Ein rein körperliches "Auftanken" z.B. bringt herzlich wenig. Auch die Seele und der Geist wollen "aufgetankt" werden!

 

Was bedeutet in diesem Zusammenhang "Seelness"?
 

Der Begriff "Seelness" ging mir vor einigen Monaten bei einer "Stillen Zeit" durch den Kopf und ich googelte ihn anschließend spaßeshalber mal. Ich war irritiert und verwundert, daß es ihn eigentlich gar nicht gibt. Wo kam der her??? Eine Ahnung beschlich mich...

Da es den Begriff nicht gibt, habe ich ihn halt für mich selbst definiert: Bestehend aus den beiden Elementen Seele + Wellness wird deutlich, was grundsätzlich damit gemeint ist: "Wellness für die Seele". Aber was ist das nun genau?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So individuell wie jeder Mensch ist, so unterschiedlich wird auch für jeden diese Definition aussehen. Aber ich bin mir trotzdem sicher, dass es Gemeinsamkeiten gibt. Für mich bedeutet "Seelness": barfuß stundenlange Flutsaumspaziergänge machen (dabei "reinigt" die immer wiederkehrende - oft tosende - Brandung, der gleichmäßige Schritt und der Wind den Kopf), mit meiner Frau oder/und anderen lieben Menschen oder mal ganz bewusst allein wandern in Gottes schöner Natur, generell mit netten Menschen gemeinsam Zeit verbringen, eine Radtour machen (z. B. zu meinem Lieblingsziel Eisenach, meine jährliche Tagestour von Kassel nach Siegen zu meinem Freund Bardo, Radpilgern auf dem Elisabethpfad, ...); aber auch die kleinen Glücksmomente des Leben --> das macht mich glücklich und bedeutet für mich "Seelness"!

 

Welche Funktion hat "Seelness"?

Das tägliche Zähneputzen wird in unserer Gesellschaft / Kultur nicht diskutiert: es ist gut und wichtig und wird schlicht gemacht! Aber warum wird die Pflege der Seele oft so vernachlässigt? Sind die Konsequenzen weniger problematisch?
Eine Studie der Krankenkassen hat in einer repräsentativen Studie herausgefunden, dass im letzten Jahr durch "Burnout" 10 Mio. Krankheitstage zustande kamen! 8 von 10 Deutschen empfinden ihr Leben als stressig und jeder 3. leidet unter Dauerstress (besonders betroffen sind "helfende Berufe" (Lehrer, Krankenschwestern/-pfleger...) und Familien mit Kindern; hier besonders Alleinerziehende).
 


Nachhaltigkeit im Alltag!

Es ist schön und gut und wichtig, sich mal im Urlaub auszuspannen und die "Seele baumeln" zu lassen. Aber reicht das allein aus? Die o.g. Ergebnisse sprechen eine ganz deutliche und andere Sprache! Seelness muss auch im Alltag eingebaut werden, will der Mensch auf Dauer gesund, zufrieden und sinnerfüllt leben!

 

 

Was tun?

Vielleicht sollte man sein "Tätigkeitsrepertoire" mal kritisch durchleuchten: Warum tue ich dies und das? Und in welchem Maße? Ist das wirklich zielführend und gesund für mein Leben? Oder sollte ich es nicht vielmehr auch mal mit der altmodischen "Muße" probieren?!!

 

Der "Muße-Mann" - mein Vorbild !

Diese Bronzefigur von Jens Höpken hatte ich im Jahr 2003 bereits mal in einem Schaufenster gesehen; sie hatte mich nicht mehr losgelassen. In diesem Urlaub habe ich sie mir gekauft.
 

Muße bezeichnet die Zeit, die einem Menschen zum Nutzen nach eigenem Wunsch zur Verfügung steht, worin er sich „erquickt und auferbaut“ (Wikipedia). Doch nicht alle Freizeit ist gleichzeitig auch Muße, da viele Freizeitaktivitäten indirekt oder sogar direkt von Fremdinteressen bestimmt werden. Im Sinne von schöpferischer Muße tritt sie bereits – im Gegensatz zur Arbeit – in der Antike auf. Heute wird der Aspekt sehr wichtig, sich Muße zum Erhalt der psychosozialen Gesundheit zu gönnen.

 

In diesem Sinne: Nimm Dir doch mal Zeit, "Muße" zu üben!!!

Und baue sie, in welchem Maße oder welcher Form auch immer,

in Dein tägliches Leben ein!

Und hoffe nicht bloß auf den nächsten Jahresurlaub!
 

Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei!

 

P. S.: Du wirst merken, wie schwierig das wird!

Wie das kleine Teufelchen auf Deiner linken Schulter Dir zuflüstert:
"Alles dummes Zeug! Mach lieber was!"
 

Und was wirst Du ihm antworten???

 

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26.05.2009

"Zufall ist das Pseudonym Gottes,
wenn er nicht selbst unterschreiben will"

                                                          Anatole France

Oder wollen wir ihn vielleicht gar nicht unterschreiben lassen?
Ist das, was mit uns passiert eigentlich Zufall, Schicksal oder alles selbst verschuldet?
 

Hier geht es um die Grundfrage:

Wer oder was bestimmt unser Leben?

Diese Frage stellt sich jeder Mensch früher oder später; häufig in Verbindung mit "Schicksalsschlägen".

Folgende 3 typischen Erklärungsmuster lassen sich hierzu unterscheiden:

a) Es ist Schicksal / Kismet / Vorherbestimmung: Durch "die Sterne" (Astrologie o.ä.), Allah oder Gott.

b) "Es ist alles Zufall!"

c) "Der Mensch hat alles selbst in der Hand!" --> "Jeder ist seines Glückes Schmied!"

Daraus ergibt sich eine spannende Frage:

Welche Konsequenzen hat das jeweilige Erklärungsmuster für mein Leben?
 

Im Fall

a) könnte es dazu führen, dass ich die Verantwortung  für mein Leben / meine Taten wegschiebe, da eine höhere Macht alles in der Hand hat bzw. vorherbestimmt --> wird leider auch oft als „billige Ausrede“ benutzt

b) nichts beeinflussbar ist, sondern alles nur blinder Zufall. Dann muss ich Angst haben, da mich jederzeit (Un)Glück treffen kann.

c) heißt das, dass ich für mein Glück oder Pech selbst verantwortlich bin, da ich alles erreichen / beeinflussen kann bzw. muss (!), d. h. alles Negative (Erlöschen von Liebe / Trennung in einer Beziehung, Krankheit, Arbeitslosigkeit usw.) habe ich selbst verschuldet...

 

Tja, und zwischen diesen Sichtweisen oder deren Kombinationen darf / muss sich nun jeder Mensch entscheiden!

Für mein Leben habe ich mich für folgende Sichtweise entschieden...

Falls Du Lust hast, schreib mir doch mal Deine Sichtweise! Ich würde mich freuen!
 

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09.03.2009

In jeder Minute, die man mit Ärger verbringt,
versäumt man 60 glückliche Sekunden!

                                       William Somerset Maugham

 

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06.03.2009

Ich packe einen Koffer - für meine letzte Reise!

Auch wenn das letzte Hemd bekanntlich keine Taschen hat, so hat dieses Experiment - einen
Koffer für die Ewigkeit
 
zu packen - etwas spannendes, ernüchterndes, nachdenklich
machendes, faszinierendes ...
 ►►►

 


 

26.02.2009

In jeder Minute, die man mit Ärger verbringt,
versäumt man 60 glückliche Sekunden!

                                       William Somerset Maugham


 

  Januar 2009

"Alles Gute auf der Welt geschieht nur,
wenn einer mehr tut, als er tun muss."

                                                                       Hermann Gmeiner

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14.10.2008

«Mein Leben im Hamsterrad»

Ich bin ein Hamster in einem Hamsterrad. Das Rad dreht sich in einem Käfig; dieser steht in einem Raum, der sich wiederum in einem Haus befindet, das sich irgendwo auf diesem Planeten oder sonstwo in dieser Galaxie befindet.

Während ich dies schreibe, sitze ich irgendwo jenseits des Hamsterrades. Wo genau, ist mir nicht so klar; ist aber auch nicht wichtig. Auf jedem Fall befinde ich mich gerade auf einem sehr schönen Fleckchen Erde; einer tollen Insel. Es ist Abend und es ist sehr ruhig; nur der Wind pfeift um die Ecken und die Meeresbrandung wallt immer mal wieder durch die Fenster. Ab und an höre ich von weitem ein Auto...

Ich habe mir heute Abend mal eine Auszeit genommen und bekomme, inspiriert durch ein Lobpreislied "Sinnier- und Schreib-Lust". Ich sinne über mein Leben und Tränen der Dankbarkeit beginnen zu fließen. Auf einmal fällt mir ein Interview ein, das ich die Tage las: Dort fiel das Stichwort "Hamsterrad" und meine Gedanken umkreisen den Begriff bzw. die Aussagen des Interviews. Es ging um das Einlegen von "Pausen", in meinem Fall Urlaube / Stille Zeiten,  um in regelmäßigen Abständen aus der Distanz heraus zu überprüfen, ob das Hamsterrad in dem sich jeder bewegt, das Hamsterrad ist, in dem ich leben möchte. In dem ich auf Dauer leben kann; glücklich sein kann.

Glückliches Leben in einem Hamsterrad? Klingt merkwürdig. Erstmal negativ. Bei näherem Betrachten verflüchtigt sich dies aber: Der Hamster geht ja freiwillig in dieses Rad. In meinem Fall trägt das Hamsterrad-Modell den Namen "Schule". Niemand hat mich zu diesem Beruf (Lehrer) gezwungen. Was treibt mich aber dazu, immer wieder dieses Rad aufzusuchen und meine Kreise (?) darin zu drehen?

Vor meinem geistigen Auge sehe ich den Hamster aus meiner Kindheit: Langgestreckt in voller Fahrt in dem Rad vollgasfahren. Und wie er nach einer Weile Vollgas-Fahrt wieder aus dem Rad steigt, sich erholt; putzt; etwas frisst und nach diesem und jenem wieder weiter seine Runden in dem Rad dreht - schön fit bleiben; Spaß an der Bewegung, der Aktivität haben.

Und ich sehe mich in meiner Arbeits-/Schulzeit; sehe deutliche Parallelen. Denn auch wenn es mir zunehmend gelingt, täglich, wöchentlich, kleine oder größere Auszeiten, perodisch und aperiodisch einzubauen: Halbgas gibt´s in diesem Beruf anscheinend nicht. So zumindest meine Erfahrung aus mittlerweile 12 Jahren in dem Beruf. Einem Beruf, den ich nicht hätte ergreifen müssen, es aber tat. Warum, wurde mir erst im Laufe der Jahre klar (Mein Lebenweg). Ich lernte in meiner Studienzeit den Ursprung des Begriffes Beruf kennen und merkte, dass es, weiß Gott, durchaus bei mir etwas mit Berufung zu tun haben könnte, zu tun hat!

Und ich merke: Das ist "MEIN" Beruf, denn er macht mir zum überwiegenden Teil sehr viel Freude. Allerdings auch sehr viel Arbeit und kostet viel Kraft und Zeit. Ein immerwährender Kampf um die Balance zwischen Partnerschaft, Hobby/Freizeit, Glauben und Beruf. Aber das Ziel eines "dynamischen Gleichgewichtes" rückt immer näher!

Und so freue ich mich nun wieder, nach dem Auftanken von Körper, Geist und Seele im Urlaub, auf die nächsten Runden in meinem Hamsterrad!!!
 

Und wie sieht es mit Deinem Hamsterrad aus?

Ist es lebens-/liebenswert oder doch veränderungswürdig oder womöglich gar nicht zum Aushalten? Dann tue etwas! Ändere etwas in Deinem Leben, damit es wieder lebens- und liebenswert wird. So wie es vom "Erfinder" und "Liebhaber" auch Deines Lebens gewollt ist!              ...zum Privat-Web


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05.05.2008

«Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart.
Der wichtigste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht.
Das notwendigste Werk ist stets die Liebe.»  
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Meister Eckhardt


 

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03.04.2008
 

Als rissiges Gefäß lebe
 

In Indien lebte einst ein Wasserträger. Für seine Aufgabe benutzte er zwei große Krüge. Er legte eine Stange über seinen Nacken und befestigte an jedem Ende der Stange einen Krug. Einer der Krüge hatte einen großen Riss, während der andere vollkommen in Ordnung war. In dem unversehrten Krug kam immer die vollständige Portion Wasser beim Haus seines Herrn an, während der rissige Krug jeden Tag nur halb voll ankam.

Zwei Jahre lang ging dieser Wasserträger denselben Weg. Der unversehrte Krug wurde stolz auf seine Leistungen. Der rissige Krug schämte sich seiner Unvollkommenheit und fühlte sich elend, weil er nur die Hälfte von dem schaffen konnte, wofür er gemacht war. Schließlich, eines Tages am Fluss, sprach der rissige Krug mit seinem Besitzer über sein bitteres Versagen. „Ich schäme mich und ich möchte mich entschuldigen, dass ich nur die Hälfte meines Wassers zu deinem Haus bringen konnte. In meiner Seite ist ein Riss, durch den das Wasser heraussickert. Wegen meines Mangels kannst du nicht den vollen Nutzen deiner Anstrengungen genießen.“

Da erwiderte der Wasserträger lächelnd: „Wenn wir zum Haus meines Herrn zurückgehen, möchte ich dir etwas zeigen!“ Auf diesem Gang vom Fluss zurück schaute der rissige Krug sich um. Der Wasserträger machte ihn aufmerksam: „Hast du bemerkt, dass es nur auf deiner Seite des Weges diese schönen Blumen gibt, aber nicht auf der Seite des anderen Kruges? - Der Grund ist, dass ich schon immer von deinem Mangel gewusst habe und ich habe ihn mir zunutze gemacht. Ich habe auf deiner Seite des Weges Samen ausgesät und jeden Tag, wenn wir hier entlanggegangen sind, hast du sie bewässert. Jetzt konnte ich schon zwei Jahre lang diese schönen Blumen pflücken, um den Tisch meines Herrn zu schmücken. Wenn du nicht so wärst, wie du bist, hätte ich nicht diese schönen Blumen, um sein Haus zu zieren!“

So  handelt  Gott!
 

(Prinzip 3: In Zerbrochenheit und Verletzlichkeit leben)
 

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aus:

Das Paulus-Prinzip  –  Warum Schwäche ein Gewinn sein kann
Peter Scazzero,
Francke-Verlag, S. 141f


 

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21.02.2008

Hoffnung ist die Energie des Lebens.
Hoffnung ist für das Leben wie der Sauerstoff für die Lunge.
Wer keine
Hoffnung hat, erstickt an der Gegenwart.
Hoffnung verändert die Welt, mich und Dich!
       
                                                                                                        Traugott Giesen  

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16.01.2008

Liebe Besucherin, lieber Besucher meiner Website,

ich wünsche Dir ein frohes neues und gesundes Jahr 2008!
Auf dass sich ein Teil Deiner Wünsche und Sehnsüchte erfüllen möge!

Und dass die Zeit, die Du hier auf dieser Website verbringst,
nicht  vergeudete Zeit ist, sondern Dich in irgendeiner Form weiterbringt!

Viel Erfolg dabei wünscht
Paul-G. Orzessek

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